Ex-BND-Präsident Gerhard Schindler war zu Gast bei „Lischka trifft“

Talkrunde „Lischka trifft“
Fliegender Teppich des Ex-BND-Präsidenten

Am 19. Juni hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka den früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes Gerhard Schindler als Talkgast in die Landeshauptstadt eingeladen. Bereits zum zweiten Mal. Während seines ersten Besuchs 2016 war er noch Chef des Auslandsgeheimdienstes. Inzwischen ist er im Ruhestand und hat seine Memoiren geschrieben. Einzelne Auszüge aus dem noch unveröffentlichten Buch hatte Gerhard Schindler schon im Gepäck.

BND statt Ionosphäreninstitut

Dass ein früherer Geheimdienstchef seine Memoiren schreibt, sei ja schon ungewöhnlich, stellte der Moderator zu Beginn fest, und wollte von Gerhard Schindler wissen, was ihn dazu bewogen habe. „Ich wollte zeigen, was der BND ist, dass dort keine James Bonds arbeiten, sondern Menschen wie Sie und ich. Außerdem soll die Bevölkerung soll wissen, wie so ein Apparat arbeitet“, so der Ex-Geheimdienstchef. Teil seiner Transparenzoffensive war deshalb auch im Juni 2014 seine Weisung, an sechs Außenstellen das Schild „Bundesnachrichtendienst“ anzubringen. Diese hatten bis dahin Tarnnamen wie „Ionosphäreninstitut“ oder „Mangfall-Kaserne“. „Nicht nur die örtliche Bevölkerung wusste von der Anwesenheit des BND“, so Schindler, „zuletzt war es eher peinlich, dass die Tarnbezeichnungen und die Zuordnung zum BND auf Wikipedia nachzulesen waren.“ Außerdem schaffte der Ex-Geheimdienstler die für alle Mitarbeiter vorgeschriebenen Dienstnamen zumindest für Verwaltungsmitarbeiter ab. Schindler dazu: „Früher hatten alle BND-Mitarbeiter Tarnnamen. Sie mussten mit einer Legende leben und allen erklären, sie würden zum Beispiel in der Finanzverwaltung arbeiten. Ich finde das nicht gut. Jemand, der nicht so gefährdet ist, soll nicht immer lügen müssen.“ Das machte er mit einer Anekdote aus seiner Zeit beim Verfassungsschutz in den 1980er Jahren deutlich. Selbst Verwandten hatte Schindler damals erzählt, er arbeite im Bundesinnenministerium. Eine Cousine besuchte eines Tages mit ihrer Schulklasse die Bonner Behörde und war ganz stolz, dort ihren Cousin zu besuchen. Als sie an der Pforte nach ihm fragte, hieß es jedoch: „Einen Schindler gibt es hier nicht.“ Daraufhin hätte die Cousine ganz aufgelöst und unter Tränen bei seiner Mutter angerufen und erklärt, ihr Cousin schwindele.

Der fliegende Teppich

„Sie hatten den wohl berühmtesten Teppich aus Afghanistan in Ihrem Flieger. Wie kam es dazu?“, wollte Moderator Burkhard Lischka von seinem Talkgast wissen. Und Gerhard Schindler erzählte die Geschichte, wie im Mai 2012 der Teppich des früheren Entwicklungsministers Dirk Niebel in Schindlers Dienstflugzeug kam und welche öffentliche Debatte dies auslöste. Eine seiner ersten Dienstreisen hatte ihn damals nach Afghanistan geführt. In einem Telefonat mit seinem Berliner Büro erfuhr Schindler nebenbei erstmals von Niebels Teppich. Der Ex-BND-Chef dazu: „Für mich war klar, dass es sich wohl um ein Gastgeschenk der Afghanen an Minister Niebel handeln musste, welches er aufgrund der Größe bei seinem Besuch in Kabul nicht mit nach Deutschland nehmen konnte. Und da der Gepäckraum des Dienstflugzeuges groß genug war, war mir die Angelegenheit auch irgendwie egal.“ Wenige Tage später berichtete allerdings die Presse, dass der Minister den sperrigen Teppich im März 2012 privat gekauft habe, sich die Botschaft in Kabul um den Transport mit einem Regierungsflugzeug nach Deutschland kümmern sollte und der Teppich so schließlich mit Schindlers Flieger nach Berlin gelangte. Als Niebel seinen Teppich daraufhin nachträglich verzollen ließ, dachte der damalige BND-Präsident, das Thema sei damit vom Tisch. Allerdings musste Gerhard Schindler auf Weisung des Kanzleramtes einen Bericht darüber verfassen. Der fiel jedoch „viel zu ausführlich“ aus, wie er heute einräumt. Die Folge: Als die Presse davon Wind bekam und Auszüge veröffentlichte, folgten parlamentarische Anfragen und sogar eine Debatte im Bundestag über den Niebel-Teppich. Schindlers augenzwinkerndes Fazit: „Spätere Stellungnahmen fielen daher kürzer aus.“

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 22.06.2018 über meine Talkrunde mit dem früheren BND-Präsidenten Gerhard Schindler. Dieser Beitrag ist hier online nachzulesen: https://www.mz-web.de/politik/breakfast-mit-der-cia-gefeuerter-bnd-chef-spricht-in-magdeburg-ueber-seine-memoiren-30660390#