Der „Schöffor der Kanzlerin“ war zu Besuch in Magdeburg

Das Gartenhaus im Stadtpark war am Abend des 14. Februars 2018 wieder gut gefüllt, als der „Schofför der Kanzlerin“ vorfuhr. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka hatte den Büttenstar, der im Rheinland große Hallen füllt und ansonsten hauptberuflich als Regierungsdirektor Dr. iur. Jens Singer im Bundestag arbeitet, zum Politischen Aschermittwoch in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt eingeladen. Stilecht mit Chauffeursmütze, Hosenträgern und schwarz-rot-goldener Krawatte bekleidet, stieg der „Schofför“ auch gleich voll ein. Derzeit sei es ja bei den Sozialdemokraten etwas unruhig. „Deshalb werfe ich jeden Morgen erstmal einen Blick in die Zeitung, wer gerade SPD-Vorsitzender ist“, so Jens Singer. Und schob hinterher: „Und wenn ich dann im Badezimmer bin, gucke ich lieber nochmal nach.“ Dann kam er auf den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder zu sprechen: „Der hat ja immer Audi gefahren, wegen der vier Ringe. Jeder Ring stand für eine Ehefrau. – Jetzt hat er die fünfte Frau und könnte fast beim Olympischen Komitee anfangen.“ Ein Gag jagte den anderen, der Saal tobte. Dann kam der „Schofför“ auf die großen Karnevalsveranstaltungen im Rheinland zu sprechen: Die Säle seien dort immer rappelvoll, tausende Menschen, man kenne das ja auch aus dem Fernsehen. „Als ich mir dann zum ersten Mal eine Bundestagsrede angeschaut habe, da habe ich mir gedacht: Oh wei, die haben aber auch Probleme mit dem Kartenverkauf!“

Und die Frau Merkel sei ja auch Honeckers letztes Geschütz. Bei den Koalitionsverhandlungen hätten die Sozis so viel durchgesetzt, dass man sich wundere, dass Frau Merkel noch ihre Jacke anhat. Das Einzige, was sie wollte, war, im Kanzleramt zu bleiben. „Naja, das kann man ja auch verstehen. Wenn der Herr Sauer abends zu Hause auf der Couch wartet ….“

Singers Statement zum gescheiterten Versuch der Regierungsbildung durch Union, Grüne und FDP: „Jamaika – das wäre ja auch keine Koalition gewesen, sondern eine Dschungelprüfung.“

Dann kam der „Schofför der Kanzlerin“ auf seinen Großvater zu sprechen: „Mein Opa war ein Schlauer. Wenn ich nach Hause kam, dann hatte der oft Leute von der CDU auf seiner Couch sitzen. Und wenn ich ihn dann fragte. ‚Opa, was holst Du Dir denn immer diese Leute ins Haus?‘, da antwortete er: ‚Solange die bei mir auf der Couch sitzen, können die woanders keinen Unfug machen.‘“

„Und der Peter Altmaier?“, fragte der „Schöffor“ in die Runde. „In Berlin sitzt der im Kanzleramt. In Paris dürfte der nur im Notre Dame die Glocken läuten. Und dann gestand er augenzwinkernd: „Als ich in der Zeitung gelesen habe: ‚Die Kanzlerin wird von Vernunft gelenkt‘, da habe ich gedacht, die meinen mich.“ Und weiter: „Du kannst ja mit der Merkel im offenen Wagen durch die Waschstraße fahren. Das ist kein Problem. An der perlt alles ab.“ Um Frau Merkel werde es auch immer einsamer, denn sie hätte ja schon so viele CDU-ler abgeschossen. „Deshalb hat meine Frau auch schon überlegt, ob wir sie an Weihnachten mal zu uns nehmen“, so der „Schofför“. Und schob hinterher: „Obwohl, dann müsste man ja auch wieder was schenken.“ Und dann schilderte der Kanzlerin-Fahrer einen kürzlichen Albtraum: „Ich war im Dinner for one der Butler der Kanzlerin. Und als ich sie dann die Treppe hoch zum Schlafzimmer begleitete, sagte ich: ‚The same procedure as last year‘. Aber sie antwortete nicht: ‚The same procedure as every year‘, sondern: ‚Wir schaffen das!‘“

Als Politiker-Chauffeur erlebe man so einiges, gestand der Karnevalist: „Letztens wurde ein Dienstwagen aus unserem Fuhrpark geklaut. Das haben wir gleich am nächsten Tag gemerkt. Dass dort aber auch ein CSU-Minister drin gesessen hatte, ist erst drei Wochen später aufgefallen.“ – Ein Kollege von ihm hätte ihm kürzlich gesagt, der Chauffeurs-Job sei gar nicht so schlecht: „Lieber der erste Fahrer der Kanzlerin als der letzte Fahrer von Lady Diana.“ Am Rande eines Treffens von Merkel und Putin hätte er mit dessen Fahrer zusammenstanden, gescherzt und Witze über die Kanzlerin gemacht. „Dann hab ich ihn gefragt: ‚Was gibt es eigentlich für Witze über Putin?‘ – Da hat er geantwortet: ‚Für Witze über Putin gibt es vier Jahre in Sibirien.‘“