Talkrunde zum Thema: Islamistische Anschläge in Europa. Kommt der Terror auch nach Deutschland?

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Talkrunde zum Thema:  Islamistische Anschläge in Europa. Kommt der Terror auch nach Deutschland?In dem historischen Gebäude der Firma regiocom in Magdeburg hatte am 10. Mai 2016 der SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka zu seiner Talkrunde aus der Reihe „Lischka trifft…“ das who is who zur inneren Sicherheit geladen: den Bundestagsabgeordneten und Innenexperten Wolfgang Bosbach, den Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz Hans-Georg Maaßen, den Präsidenten des Bundeskriminalamtes Holger Münch, den Niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius und den ARD-Terrorismus-Experten Michael Götschenberg.

Talkrunde zum Thema:  Islamistische Anschläge in Europa. Kommt der Terror auch nach Deutschland?Die zentrale Frage des Abends war, ob nach den Terroranschlägen von Paris und Brüssel auch in Deutschland eine konkrete Terrorgefahr besteht und welche Herausforderungen für die Sicherheitsbehörden damit verbunden sind. Herr Maaßen erklärte diesbezüglich, dass „die allgemeine Sicherheitslage sehr, sehr ernst ist“ und mit dem Krieg in Syrien und den dort beteiligten Terrororganisationen, wie dem selbst ernannten Islamischen Staat und Jabhat al-Nusra, sich die Gefährdungslage in Deutschland und Europa deutlich geändert hat. Der Präsident des Bundeskriminalamtes betonte die Relevanz und die Gefahr, welche von Netzwerken ausginge. Dies habe sich auch bei den Anschlägen von Paris und Brüssel bestätigt. Darüber hinaus wurde klargestellt, wie sehr sich die Sicherheitsbehörden auf die geänderte Gefahrenlage einstellen und in Zukunft noch stärker vernetzen müssen, denn „grenzüberschreitender Terrorismus muss grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden gegenüberstehen“. Der Innenexperte Wolfgang Bosbach verwies hierbei auf den Umstand, dass unsere Sicherheitsbehörden faktisch jeden Tag einen Anschlag verhindern müssen.

Talkrunde zum Thema:  Islamistische Anschläge in Europa. Kommt der Terror auch nach Deutschland?Große Einigkeit bestand unter den Rednern, dass die heutigen Formen des Terrorismus nicht mit den bekannten Terrorstrukturen der RAF aus den 70er und 80er Jahren vergleichbar sind. Während damals die Spitzen von Staat und Gesellschaft im Visier von Terroristen waren, sind es heute im gleichen Umfang alle Bürger, betonten Wolfgang Bosbach und der Journalist Michael Götschenberg. „Es gibt keine einhundertprozentige Sicherheit“, sagte der niedersächsische Innenminister Pistorius und dass wir uns auch an dieses Wissen gewöhnen und damit umgehen müssen. Hierzu zählen beispielsweise auch Absagen von Fußballländerspielen oder Karnevalsumzügen. Pistorius erläuterte die außerordentlich schwierige Entscheidung, die in solchen Momenten getroffen werden muss. Schließlich muss aus Verantwortung der Bevölkerung gegenüber jeder konkrete Hinweis ernstgenommen und die aktuelle Gefährdungslage behördenübergreifend eingeschätzt werden. Pistorius berichtete weiterhin, wie sich die Radikalisierung von Islamisten beschleunigt. Potentielle Gefährder werden jünger und auch zunehmend mehr junge Frauen lassen sich radikalisieren. Dies mache die Prävention schwieriger, da kein klares Klientel an Gefährdern mehr existiert.

Zum Abschluss betonte Burkhard Lischka in Übereinstimmung mit allen Talkgästen den ca. 230 Zuhörern, dass es bei Sicherheit immer um Menschen geht und was unsere Sicherheitsbehörden jeden Tag leisten und riskieren, um Sicherheit zu gewährleisten. Dies sei in besonderer Weise wertzuschätzen.