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	<title>Burkhard Lischka, MdB &#187; Rede</title>
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	<description>SPD-Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis 70 - Magdeburg, Schönebeck, Barby, Bördeland  und Calbe (Saale)</description>
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		<title>Rede zu rechtsextremistischen Gewalttaten</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 18:09:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Burkhard Lischka</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 19.01.2012 um 18:19 Uhr (152. Sitzung, TOP 10 Strafrechts&#228;nderungsgesetz) im Deutschen Bundestag Frau Pr&#228;sidentin! Meine Damen und Herren! 5. Januar 2012, Berlin: Drei Jugendliche sind in Friedrichshain rassistisch angegriffen worden. Die 15- und 16-J&#228;hrigen waren in der Nacht zum Donnerstag am S-Bahnhof Frankfurter Allee unterwegs, als sie zun&#228;chst von [...]]]></description>
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<p>Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 19.01.2012 um 18:19 Uhr (152. Sitzung, TOP 10 Strafrechts&auml;nderungsgesetz) im Deutschen Bundestag</p>
<p>Frau Pr&auml;sidentin! Meine Damen und Herren! 5. Januar 2012, Berlin: Drei Jugendliche sind in Friedrichshain rassistisch angegriffen worden. Die 15- und 16-J&auml;hrigen waren in der Nacht zum Donnerstag am S-Bahnhof Frankfurter Allee unterwegs, als sie zun&auml;chst von drei M&auml;nnern mit Steinen beworfen wurden. Anschlie&szlig;end beleidigten die Angreifer im Alter von 34 und 36 Jahren ihre Opfer mit antisemitischen Parolen und schlugen einem Jugendlichen ins Gesicht.</p>
<p>Ein Tag sp&auml;ter, 6. Januar 2012, Berlin: An der Kreuzung des U-Bahnhofs Eberswalder Stra&szlig;e f&uuml;gten drei Neonazis einem jungen Mann marokkanischer Herkunft massive Verletzungen zu. Nachdem er bereits auf dem Boden lag, traten sie mehrfach auf ihn ein. Das Opfer wurde mit einem Nasenbeinbruch und einer schweren Halswirbelverletzung ins Krankenhaus eingeliefert. 11. Januar 2012, Berlin: Gegen 2.30 Uhr schlug eine Neonazifrau einem Punk eine Bierflasche auf den Kopf. Das Opfer erlitt eine Platzwunde und wurde im Krankenhaus behandelt.</p>
<p>Frau Pr&auml;sidentin! Meine Damen und Herren! Das sind nur drei Beispiele f&uuml;r braune Gewalttaten in den letzten Tagen allein hier in Berlin. Aber wir wissen: Diese braune Gewalt gibt es &uuml;berall in ganz Deutschland: in unseren D&ouml;rfern, in unseren St&auml;dten, auf unseren Stra&szlig;en und Pl&auml;tzen, in Stra&szlig;enbahnen, in Bussen, in Jugendklubs, in Fu&szlig;ballstadien, also mitten in unserer Gesellschaft, am helllichten Tag und in der Nacht, Tag f&uuml;r Tag, Jahr f&uuml;r Jahr. Das sind Taten, mit denen wir uns nicht abfinden wollen und nicht abfinden k&ouml;nnen, Taten, die eine Schande f&uuml;r unser Land sind.</p>
<p>(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)</p>
<p>Braune Gewalt geh&ouml;rt in Deutschland zum Alltag. 16 375 rechtsextremistisch motivierte Straftaten gab es allein im Jahr 2010. Das sind 45 rechtsextremistisch motivierte Straftaten jeden Tag. Darunter sind 762 Gewalttaten zu verzeichnen, das hei&szlig;t, jeden Tag werden in Deutschland in mindestens zwei oder drei F&auml;llen Mitb&uuml;rgerinnen und Mitb&uuml;rger auf offener Stra&szlig;e verfolgt, angegriffen, attackiert, geschlagen, getreten und misshandelt, und zwar nur deshalb, weil sie eine andere Hautfarbe, eine andere Nationalit&auml;t oder eine andere Gesinnung haben, vielleicht auch weil sie obdachlos oder behindert sind. Wir d&uuml;rfen dem gegen&uuml;ber nicht abstumpfen. Die Taten richten sich gegen uns alle. Wir alle m&uuml;ssen dieser menschenverachtenden Gewalt gemeinsam die Stirn bieten.</p>
<p>(Beifall im ganzen Hause)</p>
<p>Die Mordserie der Zwickauer Terrorzelle war und ist kein Zufall, sondern sie ist der unfassbare Teil einer viel gr&ouml;&szlig;eren Blutspur, die sich seit vielen Jahren quer &uuml;ber unser Land gelegt hat, mit t&auml;glichen Angriffen, mit K&ouml;rperverletzungen, Bedrohungen, P&ouml;beleien, und zwar &uuml;berall in Deutschland. Diese braunen Gewalttaten sind inzwischen ein Krebsgeschw&uuml;r in unserer Gesellschaft, weil sie die gegenseitige Achtung und Anerkennung der Menschen untereinander und damit eine fundamentale Voraussetzung unseres gesellschaftlichen Friedens und des Rechts infrage stellen. Wir Deutsche mit unserer Geschichte haben allen Grund, uns dem zu widersetzen.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und der LINKEN)</p>
<p>Deutschland erwartet von seinen Zuwanderern, dass sie sich zur grundgesetzlichen Ordnung bekennen. Das ist auch okay so. Aber zu dieser Ordnung geh&ouml;rt eben auch, dass jeder – aber auch wirklich jeder – in diesem Land einen Anspruch darauf hat, dass ihn der Staat mit allen verf&uuml;gbaren Mitteln vor Terror, Gewalt und Misshandlungen sch&uuml;tzt. Dazu geh&ouml;rt auch, diese Taten als das zu benennen und abzuurteilen, was sie tats&auml;chlich sind, n&auml;mlich ein abscheulicher Anschlag auf die Menschenw&uuml;rde und auf unsere Rechtsordnung.</p>
<p>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)</p>
<p>Das unterscheidet &uuml;brigens diese braunen Gewalttaten von einem ganz normalen K&ouml;rperverletzungsdelikt; denn das Opfer wird von den Nazis nicht als Individuum, als Einzelperson angegriffen, mit dem der T&auml;ter irgendeinen Streit oder Konflikt hat. Nein, der Terror der Nazis hat eine &uuml;ber die eigentliche Verletzung hinausgehende Bedeutung. Man wird nicht durch individuelle Beziehungen und Konflikte zum Opfer, sondern weil man so ist, wie man ist – als Ausl&auml;nder, Farbiger, Punk, Obdachloser oder Behinderter. Dem Opfer wird schlicht und einfach abgesprochen, ein Mensch wie jeder andere zu sein.</p>
<p>Das bedeutet aber auch, dass das Opfer nichts machen kann. Es kann sich nicht &auml;ndern. Es hat eine bestimmte Hautfarbe. Die kann man nicht abstreifen. Das hei&szlig;t, das Opfer kann sich dieser permanenten Bedrohung nicht entziehen, und an andere Menschen, die &uuml;ber die gleichen Merkmale wie das Opfer verf&uuml;gen, senden die braunen Schl&auml;ger ein unmissverst&auml;ndliches Signal aus: Lasst euch hier blo&szlig; nicht mehr blicken. Sonst geht es euch genauso. Ihr seid die N&auml;chsten, die dran sind. Das soll Angst und Schrecken s&auml;en. Das ist die menschenverachtende Ideologie der Nazis seit jeher.</p>
<p>Das ist aber auch ein besonderes Unrecht, das gerade diese Taten von allen anderen unterscheidet, und deshalb bedarf es auch einer besonderen Bestrafung, meine Damen und Herren. Es ist doch &uuml;berhaupt nicht akzeptabel, dass diese braunen Gewalttaten nach wie vor viel zu h&auml;ufig als normale Wirtshausschl&auml;gereien oder normale K&ouml;rperverletzungsdelikte abgetan werden. Das ist doch ein Hohn den Opfern gegen&uuml;ber.</p>
<p>Auch deshalb fordert die Europ&auml;ische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz seit vielen Jahren von Deutschland, dass diese braunen Gewalttaten genauso wie in anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern besonders bestraft werden, indem zum Beispiel rassistische und fremdenfeindliche Beweggr&uuml;nde des T&auml;ters bei dessen Verurteilung ber&uuml;cksichtigt werden. Genau das greifen wir in unserem Antrag hier auf.</p>
<p>(Beifall bei Abgeordneten der SPD)</p>
<p>Ich wei&szlig; nat&uuml;rlich, welche Einw&auml;nde wir gleich zu h&ouml;ren bekommen werden.</p>
<p>(Wolfgang Wieland [B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;- NEN]: Ganz sicher!)</p>
<p>Der erste Einwand wird sein, das sei Gesinnungsstrafrecht. Nein, meine Damen und Herren, das ist es eben nicht. Hier soll nicht eine bestimmte Gesinnung bestraft werden; diese kann jeder haben. Aber diese ungl&uuml;ckselige Verquickung von Gesinnung auf der einen Seite und gewaltsamer Durchsetzung dieser Gesinnung auf der anderen Seite muss bestraft werden, und wir haben in Deutschland nach den Erfahrungen mit der Nazidiktatur auch allen Grund hierf&uuml;r.</p>
<p>(Beifall bei der SPD)</p>
<p>Der zweite Einwand, den wir gleich zu h&ouml;ren bekommen werden, ist, dass das deutsche Strafrecht die Motive und Beweggr&uuml;nde des T&auml;ters ja schon heute ber&uuml;cksichtigen w&uuml;rde.</p>
<p>(J&ouml;rg van Essen [FDP]: So ist es! – Wolfgang Wieland [B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN]: Sie m&uuml;ssen sogar ber&uuml;cksichtigt werden!)</p>
<p>– Herr van Essen, das stimmt, aber eben nur theoretisch. Machen Sie sich doch einmal praktisch die M&uuml;he und geben Sie die Begriffe „Rechtsextremismus“ und „K&ouml;rperverletzung“ in eine juristische Datenbank ein. Sie werden nur erb&auml;rmlich wenige Treffer angezeigt bekommen, die belegen, dass Gerichte in ihren Urteilen genau diesen Zusammenhang herstellen.</p>
<p>Das ist nicht akzeptabel, meine Damen und Herren. Insofern ist man als Gesetzgeber gefordert, diesen Zusammenhang ausdr&uuml;cklich gesetzlich klarzustellen. DaDarum geht es hier in unserem Antrag, und deshalb haben wir Sozialdemokraten diesen Antrag hier heute gestellt. Herzlichen Dank.</p>
<p>(Beifall bei der SPD)</p>
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		<title>Rede im Bundestag zum Justizhaushalt</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 18:01:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Burkhard Lischka</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 22.11.2011 um 18:20 Uhr (141. Sitzung, TOP II.7 Epl 07 Justiz, Epl 19 Bundesverfassungsgericht) im Deutschen Bundestag Herr Pr&#228;sident! Meine Damen und Herren! Frau Ministerin, wenn man Sie hier so reden h&#246;rt, (Manuel H&#246;ferlin [FDP]: K&#246;nnte man neidisch werden!) k&#246;nnte man meinen, die Rechtspolitik in unserem Land sei derzeit [...]]]></description>
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<p>Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 22.11.2011 um 18:20 Uhr (141. Sitzung, TOP II.7 Epl 07 Justiz, Epl 19 Bundesverfassungsgericht) im Deutschen Bundestag</p>
<p>Herr Pr&auml;sident! Meine Damen und Herren! Frau Ministerin, wenn man Sie hier so reden h&ouml;rt,<br />
(Manuel H&ouml;ferlin [FDP]: K&ouml;nnte man neidisch werden!)<br />
k&ouml;nnte man meinen, die Rechtspolitik in unserem Land sei derzeit eine einzigartige Erfolgsgeschichte. </p>
<p>(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)</p>
<p>– Warten Sie einmal ab. Es kommen noch mehr Stellen, an denen Sie klatschen k&ouml;nnen. – Das hat mit der Realit&auml;t nat&uuml;rlich &uuml;berhaupt nichts zu tun. Gerade die Rechtspolitik liefert im Augenblick im Wochentakt Beispiele daf&uuml;r, dass es in dieser Bundesregierung drunter und dr&uuml;ber geht. Frau Ministerin, das stellen Sie schon gar nicht mehr in Abrede. Sie haben beispielsweise vor einigen Wochen dem Tagesspiegel ein Interview gegeben, in dem Sie w&ouml;rtlich gesagt haben – ich darf zitieren –: </p>
<p>Manche Zurufe aus der Union tragen nicht eben zu einem guten Koalitionsklima bei, denken Sie nur an den Stil der Auseinandersetzung in der Innen- und Rechtspolitik. </p>
<p>Recht haben Sie, Frau Ministerin; aber dann versuchen Sie hier auch nicht permanent, den Eindruck einer erfolgreichen Regierungsarbeit zu erwecken. Das nimmt Ihnen in diesem Land ohnehin schon lange keiner mehr ab.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Vor elf Wochen haben wir das erste Mal &uuml;ber diesen Justizhaushalt hier im Deutschen Bundestag debattiert. Frau Ministerin, allein in den vergangenen elf Wochen sind Sie auf so manches Fettn&auml;pfchen zugesteuert. Ich will Ihnen einmal drei Beispiele nennen.</p>
<p>Fettn&auml;pfchen Nummer eins war vor wenigen Wochen Ihr Versuch, einen Parteifreund, Herrn Schmalzl, in das Amt des Generalbundesanwalts zu hieven. Er verf&uuml;gt zwar &uuml;ber keinerlei strafrechtliche Erfahrung, aber er ist FDP-Mitglied, und das war in Ihren Augen offensichtlich ausreichend f&uuml;r dieses herausragende Amt. Sie sind mit diesem Personalvorschlag gescheitert. Frau Ministerin, es ist gut, dass in diesen wirklich schwierigen Tagen ein erfahrener Strafjurist die wichtigste Strafverfolgungsbeh&ouml;rde unseres Landes leitet und nicht jemand, der sich vorher mit Ortsumgehungen und Luftreinhaltepl&auml;nen besch&auml;ftigt hat. </p>
<p>(Beifall bei der SPD)</p>
<p>Fettn&auml;pfchen Nummer zwei – Sie haben dieses Thema eben elegant gestreift – ist Ihr wirklich vollkommen unsinniger Streit mit den Bundesl&auml;ndern &uuml;ber die k&uuml;nftige Ausgestaltung der Sicherungsverwahrung. </p>
<p>(Jerzy Montag [B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN]: Nein, Nein! Da hat die Ministerin<br />
recht!)</p>
<p>Er ist &auml;rgerlich, weil der Schutz unserer B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger vor gef&auml;hrlichsten Gewalt- und Sexualstraft&auml;tern wahrscheinlich das wichtigste rechtspolitische Thema &uuml;berhaupt ist. Auch Ihre W&auml;hlerinnen und W&auml;hler, Frau Leutheusser-Schnarrenberger, erwarten von uns, von der Politik, &uuml;brigens auch von der Bundesjustizministerin, dass Menschen, bei denen man mit weiteren schwersten Gewalt- und Sexualstraftaten rechnen muss, nicht auf freiem Fu&szlig; herumlaufen. Das ist eigentlich selbstverst&auml;ndlich, f&uuml;r Sie aber m&ouml;glicherweise nicht. Jedenfalls weigern Sie sich bis zum heutigen Tage, eine verfassungskonforme Regelung auch im Hinblick auf diejenigen psychisch gest&ouml;rten Gewalt- und Sexualstraft&auml;ter vorzulegen, bei denen sich die Gef&auml;hrlichkeit erst nach der Verurteilung, n&auml;mlich im Verlauf der Strafhaft, herausstellt. Wurde eine Sicherungsverwahrung bei solchen T&auml;tern nicht angeordnet oder vorbehalten, m&uuml;ssen diese k&uuml;nftig entlassen werden. Ich halte das f&uuml;r unverantwortlich, Frau Ministerin. Die Justizministerkonferenz hat Sie erst vor wenigen Tagen, und zwar partei&uuml;bergreifend, mit gro&szlig;er Mehrheit nochmals aufgefordert, endlich eine Regelung zu erarbeiten, um die drohende Schutzl&uuml;cke zu schlie&szlig;en. Von Ihnen kam nur der Kommentar, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nicht gebe und ein Restrisiko immer vorhanden sei. </p>
<p>(Otto Fricke [FDP]: Ist das falsch?)</p>
<p>Ich halte das f&uuml;r zynisch, Frau Ministerin. Nat&uuml;rlich kann der Staat, auch wenn er alle rechtlichen M&ouml;glichkeiten aussch&ouml;pft, nie f&uuml;r einen hundertprozentigen Schutz garantieren. Die Tatsache, dass ein Restrisiko immer vorhanden ist, kann doch aber nicht bedeuten, dass sich der Staat gar nicht erst die M&uuml;he macht, diese M&ouml;glichkeiten auszusch&ouml;pfen.</p>
<p>(Beifall der Abg. Christine Lambrecht [SPD])</p>
<p>Die Menschen erwarten zu Recht von der Bundesjustizministerin, dass sie nicht nur blockiert und nicht nur belehrende Referate &uuml;ber die Rechtspolitik h&auml;lt, sondern sich ernsthaft und energisch darum bem&uuml;ht, in verfassungskonformer Weise f&uuml;r den bestm&ouml;glichen Schutz unserer Bev&ouml;lkerung zu sorgen. Das sind wir nicht zuletzt den Opfern von Gewalt- und Sexualdelikten schuldig. Ich wei&szlig;, an dieser Stelle w&uuml;rden eigentlich auch Sie von der CDU/CSU gerne klatschen. Ich sehe es Ihnen nach, wenn Sie das im Augenblick nicht machen.</p>
<p>(Beifall bei der SPD)</p>
<p>Fettn&auml;pfchen Nummer drei, Frau Ministerin: die Debatte &uuml;ber die Staatstrojaner. Als vor wenigen Wochen der Chaos Computer Club offengelegt hat, dass die entsprechende Software teilweise rechtswidrig eingesetzt wurde, haben Sie Forderungen nach einer klaren gesetzlichen Grundlage zun&auml;chst einmal wahlweise als absurd oder abstrus bezeichnet. Als dann der Bundesinnenminister ebenfalls keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf sah, drehten Sie eine Pirouette und haben auf einmal einheitliche gesetzliche Regelungen gefordert. Was denn nun, Frau Ministerin? Das ist wirklich ein sch&ouml;nes Chaos in dieser Bundesregierung. Sie tragen einen erheblichen Teil der Verantwortung daf&uuml;r. Eine erfolgreiche Rechtspolitik, Frau Leutheusser-Schnarrenberger, sieht jedenfalls anders aus. </p>
<p>Das waren nur drei Beispiele. Nach dem sogenannten Three-Strikes-Modell bedeuten drei Verfehlungen im Internet, dass man aus demselben herausfliegt. Auf Sie &uuml;bertragen bedeutet das, Sie m&uuml;ssten jetzt eigentlich aufh&ouml;ren. Das w&auml;re das Beste. Sie aber werden weiterwurschteln, und das ist nicht gut, weder f&uuml;r die Rechtspolitik noch f&uuml;r unser Land.</p>
<p>(Beifall bei der SPD)</p>
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		<title>Rede im Bundestag zum Insolvenzrecht</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 16:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Burkhard Lischka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagsreden]]></category>
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<p>Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 27.10.2011 um 16:44 Uhr (136. Sitzung, TOP 10) im Deutschen Bundestag<br />
Thema: Zweite und dritte Beratung Bundesregierung<br />
Zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen </p>
<p>Herr Pr&auml;sident! Meine Damen und Herren!<br />
Kein Gesetzentwurf verl&auml;sst das Parlament so, wie er eingebracht wurde. Das ist eine alte Binsenweisheit, die sich auch dieses Mal bewahrheitet hat – zum Gl&uuml;ck, muss man sagen; denn der urspr&uuml;ngliche Gesetzentwurf, der von Ihnen, Frau Ministerin, eingebracht wurde, enthielt einige eklatante M&auml;ngel, auf die wir Sozialdemokraten bereits bei der Einbringung dieses Gesetzentwurfs im Deutschen Bundestag hingewiesen haben. So hatten Sie urspr&uuml;nglich vor, fast die H&auml;lfte aller Insolvenzgerichte in unserem Land zu schlie&szlig;en, und zwar gegen den erkl&auml;rten Willen aller Bundesl&auml;nder. Das h&auml;tte bedeutet, dass die betroffenen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, die Unternehmer und die Rechtsanw&auml;lte teilweise 150 Kilometer oder mehr bis zum n&auml;chsten Insolvenzgericht h&auml;tten fahren m&uuml;ssen. Wir Sozialdemokraten haben Ihnen bereits Ende Juni gesagt, dass das mit einer Modernisierung unseres Insolvenzrechts nichts zu tun hat. Das w&auml;re schlicht und einfach ein Abbruch der Justiz in der Fl&auml;che und ein Akt der B&uuml;rgerunfreundlichkeit gewesen. Es ist gut, dass der Gesetzentwurf an dieser Stelle ver&auml;ndert wurde und sich der Deutsche Bundestag gegen Ihre urspr&uuml;nglichen Vorstellungen durchsetzen wird, Frau Ministerin.</p>
<p>(Beifall bei der SPD)</p>
<p>Ein zweiter Kritikpunkt betraf das sogenannte Schutzschirmverfahren, das der Kollege Ahrendt eben angesprochen hat. Ihr Ansatz war durchaus richtig. H&auml;ufig stellen Unternehmer viel zu sp&auml;t einen Insolvenzantrag, n&auml;mlich dann, wenn in dem Unternehmen gar nichts mehr geht und das Kind quasi schon in den Brunnen gefallen ist. Das hat in der Vergangenheit in einer Vielzahl von F&auml;llen dazu gef&uuml;hrt – das wissen wir alle –, dass eine erfolgreiche Sanierung der Unternehmen behindert, wenn nicht sogar unm&ouml;glich wurde. </p>
<p>Ihre Grundidee, dass &uuml;ber ein strauchelndes Unternehmen vor der eigentlichen Insolvenz eine Art Schutzschirm gespannt wird, unter dem der Unternehmer an der Rettung seines Unternehmens arbeiten kann, war und ist gut. In dem urspr&uuml;nglichen Gesetzentwurf war sie nur mangelhaft umgesetzt. Was w&auml;re in der Praxis passiert? Die Banken des Unternehmens h&auml;tten davon Wind bekommen. Sie h&auml;tten alle Kredite gek&uuml;ndigt bzw. f&auml;llig gestellt, und dann w&auml;re der Unternehmer tats&auml;chlich pleite gewesen. Frau Ministerin, in Ihrem urspr&uuml;nglichen Gesetzentwurf war vorgesehen, dass das Schutzschirmverfahren in einem solchen Fall automatisch beendet ist. Sie h&auml;tten den Schutzschirm also weggezogen, und der Unternehmer w&auml;re dann in die ganz normale Insolvenz gegangen. Das w&auml;re kein Anreiz gewesen, fr&uuml;hzeitig einen Insolvenzantrag zu stellen und Sanierungsma&szlig;nahmen zu erarbeiten. Das w&auml;re vielmehr im Grunde die Aufforderung gewesen, direkt in den Abgrund zu springen. Es ist gut, dass dieser Unsinn aus dem Gesetzentwurf herausgenommen wurde und sich der Deutsche Bundestag auch an dieser Stelle gegen Ihre urspr&uuml;nglichen Vorstellungen durchsetzen wird, Frau Ministerin. </p>
<p>(Beifall bei Abgeordneten der SPD)</p>
<p>Wer jetzt als Unternehmer einen Antrag stellt, der wei&szlig;, dass er, ohne dass Vollstreckungsma&szlig;nahmen drohen, an der Rettung seines Betriebes arbeiten kann. Dadurch werden Firmenpleiten verhindert und Arbeitspl&auml;tze erhalten. Es ist gut, dass wir diesbez&uuml;glich zu einer vern&uuml;nftigen Regelung gekommen sind.</p>
<p>(Andrea Astrid Vo&szlig;hoff [CDU/CSU]: Dann stimmen Sie doch zu!)</p>
<p>Bez&uuml;glich unseres dritten Kritikpunktes hat die schwarz-gelbe Koalition aber allenfalls kosmetische &Auml;nderungen vorgenommen. Unsere Kritik betrifft die von Herrn Kollegen Ahrendt angesprochene Unabh&auml;ngigkeit der Insolvenzverwalter. Die Unabh&auml;ngigkeit der Insolvenzverwalter ist in unserer Insolvenzordnung bisher ein hohes Gut gewesen. Der Insolvenzverwalter muss, wenn er in ein strauchelndes Unternehmen kommt, im Einzelfall wirtschaftliche Missst&auml;nde aufdecken und beseitigen. Er muss gegen&uuml;ber Gl&auml;ubigern, Gesch&auml;ftspartnern und, wenn die bisherige Unternehmensleitung Unsinn gemacht hat, auch gegen&uuml;ber dieser Anspr&uuml;che durchsetzen. Das ist die zentrale Aufgabe des Insolvenzverwalters. Diese Aufgabe kann er nat&uuml;rlich nur dann erf&uuml;llen, wenn er gegen&uuml;ber all diesen Gruppen vollkommen unabh&auml;ngig ist. Wir sind der Meinung, dass Schwarz-Gelb an dieser Stelle einen Tabubruch begeht. K&uuml;nftig kann jemand zum Insolvenzverwalter bestellt werden, der das Unternehmen vor der eigentlichen Insolvenz beispielsweise im Hinblick auf ein k&uuml;nftiges Insolvenzverfahren beraten hat. Wie soll der Insolvenzverwalter wirtschaftliche Missst&auml;nde aufdecken, wenn er zuvor m&ouml;glicherweise an der Entstehung dieser Missst&auml;nde mitgewirkt hat? Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ein Insolvenzverwalter kraftvoll Anspr&uuml;che gegen die bisherige Unternehmensleitung durchsetzen wird, wenn er zuvor von genau derselben Unternehmensleitung bezahlt worden ist. Nein, meine Damen und Herren, wenn der Bock zum G&auml;rtner gemacht wird, dann ist der Erfolg fraglich. Deshalb fordern wir: Unterbinden Sie jegliche Form von Interessengegens&auml;tzen in der Person des Insolvenzverwalters. Nur dann k&ouml;nnen Unternehmenssanierungen erfolgreich durchgef&uuml;hrt werden. </p>
<p>(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Richard Pitterle [DIE LINKE])</p>
<p>Sie treiben es aber noch doller. In Ihrem Gesetzentwurf ist vorgesehen, dass k&uuml;nftig Gro&szlig;gl&auml;ubiger, zum Beispiel Banken, die M&ouml;glichkeit haben, einen ihnen genehmen Insolvenzverwalter zu bestimmen. Die Banken k&ouml;nnen k&uuml;nftig – jedenfalls, wenn sich alle einig sind – im Regelfall einen ihnen wohlgesonnenen Insolvenzverwalter auch gegen&uuml;ber dem Insolvenzrichter durchsetzen. Vor lauter Dankbarkeit gegen&uuml;ber diesen Gro&szlig;gl&auml;ubigern kann dieser Insolvenzverwalter doch nicht ganz unabh&auml;ngig agieren; denn die &Uuml;bernahme eines solchen Amtes ist im Regelfall finanziell durchaus attraktiv, und der Insolvenzverwalter wei&szlig;, wem er das zu verdanken hat. Das ist eine ganz neue Art von Kungelei in unserer Insolvenzordnung. Sie machen den Insolvenzverwalter und damit auch das Insolvenzverfahren zumindest in Einzelf&auml;llen zum Spielball von Einzelinteressen. Das ist eine ganz neue Facette Ihrer Klientelpolitik. Das ist nicht gut. Deshalb werden wir Sozialdemokraten diesem Gesetzentwurf nicht zustimmen. Herzlichen Dank. </p>
<p>(Beifall bei der SPD)</p>
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		<title>Rede zu den Anforderungen der digitalen Gesellschaft an eine Reform des Urheberrechts</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jul 2011 15:35:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Burkhard Lischka</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu Protokoll gegebene Rede vom 07.07.2011, 120. Sitzung des Deutschen Bundestages, TOP 40: Anforderungen der digitalen Gesellschaft an eine Reform des Urheberrechts Sehr geehrter Herr Pr&#228;sident! Sehr geehrte Damen und Herren, wir debattieren heute &#252;ber die Anforderungen der digitalen Gesellschaft an eine Reform des Urheberrechts. Ist das Urheberrecht wirklich „umfassend reformbed&#252;rftig“ – wie die Fraktion [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu Protokoll gegebene Rede vom 07.07.2011, 120. Sitzung des Deutschen Bundestages, TOP 40: <strong>Anforderungen der digitalen Gesellschaft an eine Reform des Urheberrechts</strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr Pr&auml;sident!<br />
Sehr geehrte Damen und Herren,</p>
<p>wir debattieren heute &uuml;ber die Anforderungen der digitalen Gesellschaft an eine Reform des Urheberrechts. </p>
<p>Ist das Urheberrecht wirklich „umfassend reformbed&uuml;rftig“ – wie die Fraktion DIE LINKE in ihrem heute vorgelegten Antrag behauptet? M&uuml;ssen wir das Urheberrecht in seiner Substanz in Frage stellen? Die Kolleginnen und Kollegen der Fraktion DIE LINKE haben uns heute ihre in der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ zur Abstimmung gestellten Handlungsempfehlungen zur Reform des Urheberrechts zur Beratung vorgelegt. Ziel der Reform m&uuml;sse eine grundlegende Neukonzeption des Urheberrechts sein. Im Antrag findet sich eine Vielzahl von Vorschl&auml;gen, die – so scheint es – auf den ersten Blick ganz auf die Interessen der Kreativen und Kulturschaffenden zugeschnitten sind. Einige davon sind diskussionsw&uuml;rdig. So zum Beispiel die Forderungen nach zus&auml;tzlichen gesetzlichen Ma&szlig;nahmen zur St&auml;rkung des Anspruchs der Urheberinnen und Urheber auf angemessene Verg&uuml;tung. Teilweise schie&szlig;en die Forderungen jedoch deutlich &uuml;ber das Ziel hinaus. Wenn von einer Verk&uuml;rzung der urheberrechtlichen Schutzfristen, einer Einschr&auml;nkung von Ausschlie&szlig;lichkeits- und Verbotsrechten und der Einf&uuml;hrung neuer Schrankenregelungen sowie der gro&szlig;z&uuml;gigen Ausdehnung bestehender Schranken-bestimmungen die Rede ist, wird klar, wohin die Reise tats&auml;chlich gehen soll: der Schutzzweck des Urheberrechts soll sich vom Werksch&ouml;pfer l&ouml;sen und die Interessen der Nutzerinnen und Nutzer in den Vordergrund r&uuml;cken. </p>
<p>Das, meine Damen und Herren, kann nicht Sinn und Zweck einer weiteren Urheberrechtsnovelle sein. Der Urheber selbst muss Mittelpunkt des Urheberrechts bleiben. F&uuml;r eine Neuformulierung des Schutzzwecks des Urheberrechts besteht kein Anlass. </p>
<p>Unbestreitbar ist: Das Urheberrecht unterliegt angesichts der rasanten technischen Entwicklung einem st&auml;ndigen Anpassungsdruck. Die digitale Revolution hat die Rahmenbedingungen f&uuml;r Werksch&ouml;pfer, Rechteinhaber und Verwerter, aber auch f&uuml;r Nutzerinnen und Nutzer grundlegend ver&auml;ndert. Das Internet erleichtert die Verletzung von Urheberrechten und gleichzeitig st&ouml;&szlig;t die Verfolgbarkeit von Urheberrechtsverst&ouml;&szlig;en im Internet an ihre Grenzen. Rechteinhaber und Verwerter beklagen dies nicht zu Unrecht. Auf der anderen Seite sieht die sogenannte „Netzgemeinde“ das geltende Urheberrecht als Hindernis f&uuml;r die Entfaltung des enormen kreativen Potenzials im Netz. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Diskussion um die Zukunftsf&auml;higkeit des Urheberrechts. Unbestritten ist auch, dass sich die bestehenden, zu einem gro&szlig;en Teil auf die analoge Welt zugeschnittenen Regelungen des Urheberrechtsgesetzes nicht eins zu eins auf die digitale Welt &uuml;bertragen lassen. Daher denke ich, wir sind uns einig, dass wir ein starkes Urheberrecht brauchen – auch und gerade im Internet-Zeitalter.</p>
<p>Deshalb ist unerkl&auml;rlich, warum die Bundesregierung ihren Ank&uuml;ndigungen, das Urheberrecht z&uuml;gig fortzuentwickeln, keine Taten folgen l&auml;sst. Seitdem Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger am 14. Juni 2010 in ihrer Berliner Rede die Vorstellungen der Bundesregierung f&uuml;r einen „Dritten Korb Urheberrecht“ vage skizziert hat und Kulturstaatsminister Neumann im November 2010 mit einem „Zw&ouml;lf-Punkte-Papier“ zum Schutz des geistigen Eigentums im digitalen Zeitalter nachgelegt hat, herrscht nahezu Stillstand. Ebenso unklar ist, welche konkreten Ma&szlig;nahmen die Koalition im Rahmen ihrer Reform vorlegen wird und in welchen Bereichen sie g&auml;nzlich von Ver&auml;nderungen absehen wird. Wir fordern die Bundesregierung daher auf, schnellstm&ouml;glich einen Referentenentwurf f&uuml;r den „Dritten Korb“ vorzulegen. </p>
<p>Aus SPD-Sicht m&uuml;ssen wir uns vor allem Gedanken dar&uuml;ber machen, wie wir die Rechte der Kreativen, insbesondere den Anspruch auf „angemessene Verg&uuml;tung“, in der Praxis besser als bisher verwirklichen k&ouml;nnen. Urheberinnen und Urheber m&uuml;ssen in ihrem Anspruch auf angemessene Verg&uuml;tung gest&auml;rkt werden. Gemeinsame Verg&uuml;tungsregeln sind bisher in weit geringerem Umfang zustande gekommen als vom Gesetzgeber erwartet. Woran liegt das? Welche Umst&auml;nde erschweren das Zustandekommen gemeinsamer Verg&uuml;tungsregeln in der Praxis? Muss das Schlichtungsverfahren ver&auml;ndert werden? Oder m&uuml;ssen in Anlehnung an die urspr&uuml;ngliche Fassung des Regierungsentwurfs eines Gesetzes zur St&auml;rkung der vertraglichen Stellung von Urhebern und aus&uuml;benden K&uuml;nstlern Verfahren geschaffen werden, wonach eine Verg&uuml;tungsregel erzwungen werden kann? Bisher hat sich die Bundesregierung diese Fragen noch nicht einmal gestellt, geschweige denn L&ouml;sungsvorschl&auml;ge entwickelt. Aus Sicht der SPD m&uuml;ssen die Regeln des Urhebervertragsrechts deshalb – wie bereits von der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ angeregt – evaluiert und dort nachgebessert werden, wo die Mechanismen des Gesetzes nicht richtig greifen. </p>
<p>Unklar ist auch, mit welchen konkreten Ma&szlig;nahmen die Bundesregierung eine effektivere Rechtsverfolgung gew&auml;hrleisten will. Sicher ist nur eines: die Provider sollen mehr Verantwortung f&uuml;r den Schutz des Urheberrechts &uuml;bernehmen und die Haftung f&uuml;r Hostprovider gegebenenfalls erweitert werden. Dazu sagen wir: Eine effektive Rechtsverfolgung darf nicht auf Kosten der Informationsfreiheit erfolgen. Es ist notwendig, nicht nur von Internetsperren Abstand zu nehmen, sondern auch vom sogenannten „Warnhinweismodell“, denn Warnhinweise sind ohne Datenerfassung und Inhaltskontrolle technisch nicht denkbar. Auch von grundlegenden &Auml;nderungen des TMG-Haftungsregimes f&uuml;r Provider halten wir wenig. Klarstellungen in Bezug auf die Haftung f&uuml;r Hostprovider sind diskussionsw&uuml;rdig, wenn das Gesch&auml;ftsmodell des Providers offensichtlich darauf ausgerichtet ist, von Urheberrechtsverletzungen anderer wirtschaftlich zu profitieren. &Auml;nderungen m&uuml;ssen sich unseres Erachtens aber an der geltenden Rechtsprechung zur Haftung von Hostprovidern orientieren, die zu Recht darauf hinweist, dass die auf dem sogenannten „Cloud Computing“ basierenden Dienste eine Vielzahl von legalen Nutzungsm&ouml;glichkeiten bieten, an denen ein betr&auml;chtliches technisches und wirtschaftliches Interesse besteht. Etwaige Pr&uuml;fungspflichten m&uuml;ssen daher zumutbar sein. Dar&uuml;ber hinaus halten wir sch&auml;rfere Sanktionen nicht f&uuml;r sachgerecht. </p>
<p>Au&szlig;erdem brauchen wir dringend eine rechtssichere Grundlage f&uuml;r die Nutzung von verwaisten und vergriffenen Werken, damit diese Werke im digitalen Zeitalter nicht aus dem kulturellen Ged&auml;chtnis verschwinden und f&uuml;r die Deutsche Digitale Bibliothek nutzbar gemacht werden k&ouml;nnen. Wir haben dazu die Vorschl&auml;ge von VG Wort und VG Bildkunst aufgegriffen und einen Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht, den wir nach der Sommerpause im Rechtsausschuss beraten werden. Au&szlig;erdem ist aus unserer Sicht die Einf&uuml;hrung eines unabdingbaren Zweitverwertungsrechts f&uuml;r wissenschaftliche Urheberinnen und Urheber geboten. Auch dazu liegt dem Bundestag ein Gesetzentwurf der SPD zur Beratung vor. Urheberrechtliche Abmahnungen – gerade in Bagatellf&auml;llen – werden zunehmend von den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern als missbr&auml;uchlich wahrgenommen. Abmahnungen sind grunds&auml;tzlich ein legitimes Instrument der Rechtsverfolgung, sie d&uuml;rfen aber nicht selbst zum „Gesch&auml;ftsmodell“ werden. Daher halten wir es f&uuml;r sachgerecht, weitere Ma&szlig;nahmen zur Eind&auml;mmung missbr&auml;uchlicher Abmahnungen zu pr&uuml;fen. </p>
<p>Die j&uuml;ngsten Abstimmungen in der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ zu den Handlungsempfehlungen der Projektgruppe Urheberrecht zeigen deutlich, wie vielschichtig die Problemfelder sind, die sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung im Urheberrecht stellen, aber auch, dass sich – mitunter &uuml;berraschende – Mehrheiten f&uuml;r L&ouml;sungsans&auml;tze finden lassen. Deshalb hoffen wir, dass die Bundesregierung ihre Vorstellungen zum „Dritten Korb“ alsbald konkretisiert und wir m&ouml;glichst nach der Sommerpause die Diskussion auf der Grundlage eines Gesetzentwurfs zum Dritten Korb weiterf&uuml;hren k&ouml;nnen. Wir sind bereit, uns an der Debatte intensiv zu beteiligen.</p>
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		<title>Rede im Bundestag zum Insolvenzrecht</title>
		<link>http://www.burkhard-lischka.de/2011/07/rede-im-bundestag-zum-insolvenzrecht-2/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 07:31:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Burkhard Lischka</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Insolvenzrecht]]></category>
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		<description><![CDATA[Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 30.06.2011 um 16:12 Uhr (117. Sitzung, TOP 6) im Deutschen Bundestag Thema: Sanierung von Unternehmen Die Rede zum Nachlesen aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages: Burkhard Lischka (SPD): Frau Pr&#228;sidentin! Meine Damen und Herren! Wenn wir uns hier heute eine Stunde Zeit nehmen, um &#252;ber das Insolvenzrecht und einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object type="application/x-shockwave-flash" data="http://webtv.bundestag.de/iptv/swf/xflv/showIt3.swf" width="520" height="330" id="showIt" style="width: 520px; height: 330px;"><param name="movie" value="http://webtv.bundestag.de/iptv/swf/xflv/showIt3.swf"/><param name="menu" value="true" /><param name="quality" value="high" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="swliveconnect" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="scalemode" value="showall" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="flashvars" value="plugin_version=9.0.115&amp;bandwidth=514&amp;xasxTemplate=xasx_od.xml&amp;autoPlay=false&amp;skin=od_embed_ext&amp;application=144277506&amp;playerLink=http://webtv.bundestag.de/iptv/player/macros/_x_s-144277506/od_player.html&amp;baseUrl=http://iptv.cdn.tv1.de/iptv/player/macros&amp;params=?r=r$contentId=1207888$singleton=true$forcedWidth=520$forcedHeight=300$keepVideoAspectRatio=true&amp;language=de" /></object></p>
<p>Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 30.06.2011 um 16:12 Uhr (117. Sitzung, TOP 6) im Deutschen Bundestag<br />
Thema: Sanierung von Unternehmen</p>
<p><strong>Die Rede zum Nachlesen<br />
aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages:</strong></p>
<p>Burkhard Lischka (SPD):<br />
Frau Pr&auml;sidentin! Meine Damen und Herren! Wenn wir uns hier heute eine Stunde Zeit nehmen, um &uuml;ber das Insolvenzrecht und einen m&ouml;glichen Reformbedarf zu debattieren, dann hat das einen guten Grund: Das Insolvenzrecht ist kein Randthema f&uuml;r einige wenige Fachleute wie Insolvenzrichter oder Insolvenzverwalter. Auf Grundlage dieses Rechts wird Jahr f&uuml;r Jahr &uuml;ber die Zukunft oder das Aus von etwa 32 000 Unternehmen und Hunderttausenden von Arbeitspl&auml;tzen entschieden. Beim Insolvenzrecht geht es deshalb nicht nur um 359 Paragrafen im Bundesgesetzblatt, sondern im konkreten Einzelfall immer auch um Gef&uuml;hle und Emotionen: um Wut, Sorge, Trauer &uuml;ber den Verlust der beruflichen Existenz oder des Arbeitsplatzes genauso wie um Hoffnung oder vielleicht die Freude, wenn die Sanierung eines Unternehmens gelingt.</p>
<p>Sie haben recht, Frau Ministerin: Das Ziel eines modernen Insolvenzrechts muss es sein, Unternehmen, die sich in einer Schieflage befinden, fr&uuml;hzeitig unter die Arme zu greifen, sie zu sanieren, Arbeitspl&auml;tze zu erhalten, anstatt sie plattzumachen und abzuwickeln.</p>
<p>Die Kernfrage, mit der wir uns jetzt anhand des vorgelegten Gesetzentwurfs zu besch&auml;ftigen haben, ist ganz einfach: Dienen die Vorschl&auml;ge, die Sie jetzt auf den Tisch gelegt haben, tats&auml;chlich dazu, die Sanierung, das hei&szlig;t die Fortf&uuml;hrung von Unternehmen, zu erleichtern &#8211; ja oder nein? Das ist die simple Frage. Das ist aber auch der Pr&uuml;fungsma&szlig;stab, mit dem wir Sozialdemokraten Ihren Gesetzentwurf beurteilen werden.</p>
<p>Frau Ministerin, da gibt es Ans&auml;tze, die in die richtige Richtung weisen. Zu Recht beklagen Sie - Sie haben das auch eben getan -, dass viele Unternehmer h&auml;ufig viel zu sp&auml;t einen Insolvenzantrag stellen, quasi dann, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und es in dem Unternehmen nichts mehr zu retten gibt. Insofern teile ich Ihre Einsch&auml;tzung, dass wir Anreize setzen m&uuml;ssen, dass Unternehmer fr&uuml;hzeitig einen Antrag stellen. Das erh&ouml;ht die Chancen auf die Rettung eines Unternehmens und den Erhalt der Arbeitspl&auml;tze. Aber, Frau Ministerin, ich habe Zweifel, ob Sie diesen guten und richtigen Ansatz in Ihrem Gesetzentwurf immer konsequent zu Ende gedacht haben. So schlagen Sie beispielsweise vor, dass ein Unternehmer nicht, wie bisher, erst dann einen Antrag stellen kann, wenn er tats&auml;chlich zahlungsunf&auml;hig, das hei&szlig;t pleite, ist. K&uuml;nftig soll das ein Unternehmer schon tun k&ouml;nnen, wenn Zahlungsunf&auml;higkeit lediglich droht. Sie wollen dann - Sie haben das eben erl&auml;utert - einen Schutzschirm aufspannen, unter dem der Unternehmer frei von Vollstreckungsma&szlig;nahmen drei Monate lang an der Sanierung seines Unternehmens arbeiten kann. So weit, so gut. </p>
<p>Der Pferdefu&szlig; liegt allerdings darin, dass dieser Schutzschirm in der Praxis h&ouml;chst l&ouml;chrig sein wird. Was wird n&auml;mlich in der Praxis passieren? Der Unternehmer stellt, wie von Ihnen gew&uuml;nscht, einen Antrag. Davon bekommen seine Banken Wind, und sie werden ihm zun&auml;chst einmal s&auml;mtliche Kredite k&uuml;ndigen. Das hei&szlig;t, der Unternehmer ist dann wirklich pleite.</p>
<p>Was machen Sie? Ihr Gesetzentwurf sieht vor, dass damit das Schutzschirmverfahren automatisch beendet ist und sich der Unternehmer in der ganz normalen Insolvenz befindet. Das hei&szlig;t, erst locken Sie den Unternehmer unter Ihren Schutzschirm, und dann, wenn das Gewitter beginnt, ziehen Sie den Schirm weg und lassen den Unternehmer im Regen stehen. Das ist doch grotesk, Frau Ministerin. Das ist kein Schutzschirm, den Sie da aufspannen, sondern das ist die Aufforderung, schlicht und einfach in eine Sackgasse zu laufen.<br />
(Beifall bei der SPD)</p>
<p>Lassen Sie uns das weitere Gesetzgebungsverfahren wirklich daf&uuml;r nutzen, hier zu Regelungen zu kommen, nach denen derjenige, der fr&uuml;hzeitig einen Antrag stellt, auch tats&auml;chlich die faire Chance bekommt, an der Sanierung seines Unternehmens zu arbeiten, selbst dann, wenn aus der drohenden eine tats&auml;chliche Zahlungsunf&auml;higkeit wird. Anreize f&uuml;r die Praxis sollten wir hier setzen, anstatt irgendwelche Scheinl&ouml;sungen zu pr&auml;sentieren, Frau Ministerin.</p>
<p>Ich will noch einen zweiten Punkt herausgreifen, bei dem ich wirklich ernsthafte Zweifel an der Praxistauglichkeit Ihres Gesetzentwurfes habe. Sie wollen - Sie haben das eben angesprochen - die Zahl der Insolvenzgerichte weiter reduzieren. K&uuml;nftig soll es nur noch ein Insolvenzgericht pro Landgerichtsbezirk geben. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hren Sie an, dass das zu einer Qualit&auml;tsverbesserung der Rechtsprechung f&uuml;hrt. Weil gro&szlig;e Gerichte sich besser spezialisieren k&ouml;nnten als kleine, so sagen Sie, w&uuml;rde das dazu dienen, die Rechtsprechung zu verbessern. </p>
<p>Frau Ministerin, welches Problem wollen Sie da eigentlich l&ouml;sen? Ist Ihnen w&auml;hrend Ihrer Amtszeit irgendwann zu Ohren gekommen, dass unsere Gerichte nicht vern&uuml;nftig arbeiten w&uuml;rden, dass unsere Richter bei der Anwendung des Insolvenzrechts irgendwie Probleme h&auml;tten? Das Gegenteil ist der Fall. Um die Qualit&auml;t unserer Rechtsprechung und Gerichte beneiden uns andere Staaten. Das ist einer der gl&auml;nzendsten Standortvorteile, die dieses Land weltweit hat. H&ouml;ren Sie doch bitte damit auf, Probleme l&ouml;sen zu wollen, wo gar keine Probleme sind!<br />
(Beifall bei der SPD)</p>
<p>Es gibt nichts, aber auch rein gar nichts, was Ihre Annahme rechtfertigen w&uuml;rde, dass gro&szlig;e Gerichte besser arbeiten als kleine. Der Deutsche Richterbund hat Ihnen erst vor wenigen Wochen eine Statistik vorgelegt, aus der eindeutig hervorgeht, dass die Rechtsmittel- und Beschwerdequote bei kleinen Insolvenzgerichten keinen Deut h&ouml;her ist als bei gro&szlig;en Insolvenzgerichten. In Ihrer Rede sind Sie darauf nicht eingegangen, sondern haben eigentlich stereotyp Ihr Credo von der Schlie&szlig;ung zahlreicher Insolvenzgerichte wiederholt. </p>
<p>Was bedeutet das? Das bedeutet, dass in Zukunft beispielsweise die Menschen, die sich in einem Privatinsolvenzverfahren befinden, die also ohnehin nichts haben, k&uuml;nftig 150 Kilometer und mehr bis zum n&auml;chsten Insolvenzgericht fahren m&uuml;ssen. Das hat mit der B&uuml;rgerfreundlichkeit der Justiz - das Wort f&uuml;hren Sie, Frau Ministerin, ja sehr gern im Mund - gar nichts zu tun. Das ist ein Akt der B&uuml;rgerunfreundlichkeit, und zwar zulasten der Schw&auml;chsten in dieser Gesellschaft, derjenigen, die ohnehin am Rande des Existenzminimums leben.</p>
<p>Das Ganze ist im &Uuml;brigen kein Randproblem. Wir haben im letzten Jahr 109 000 Privatinsolvenzverfahren gehabt. Diesen Personen plus 32 000 Unternehmern wollen Sie jetzt die Wege verl&auml;ngern. H&ouml;ren Sie in dem Zusammenhang doch einmal auf Ihre L&auml;nderkollegen! Die Landesjustizminister lehnen diesen Vorschlag fast unisono ab. Sie wissen, wovon sie reden, Frau Ministerin.</p>
<p>Es kommt noch etwas anderes dazu. Unsere Insolvenzgerichte arbeiten vor allen Dingen deshalb besonders gut - das ist meine Erfahrung -, weil sie eingebettet sind, eingebettet in ein kleinteiliges Netzwerk aus Schuldnerberatungsstellen, Verbraucherzentralen und Wohlfahrtsverb&auml;nden, in dem gerade die Menschen im Privatinsolvenzverfahren &uuml;ber Jahre hinweg intensiv beraten und betreut werden. Wenn Sie die L&auml;nder dazu zwingen, Insolvenzgerichte zu schlie&szlig;en, zerst&ouml;ren Sie auch diese gut funktionierenden Netzwerke, ohne zu wissen, ob sich &uuml;ber die Entfernungen, die Ihnen vorschweben, &auml;hnliche Netzwerke &uuml;berhaupt etablieren lassen.<br />
(Beifall bei der SPD und der LINKEN)</p>
<p>Frau Ministerin, das ist keine Weiterentwicklung des Insolvenzrechts, sondern schlicht und einfach ein Abbruch in der Fl&auml;che.<br />
Deshalb werden wir Sozialdemokraten Ihren Gesetzentwurf kritisch begleiten. Es gibt richtige Ans&auml;tze, jawohl, aber es gibt auch Regelungen, die aus unserer Sicht weder praxistauglich noch sachgerecht noch durchdacht sind. In den kommenden Wochen haben Sie die M&ouml;glichkeit, an diesen Regelungen zu arbeiten und Ver&auml;nderungen vorzunehmen. Tun Sie das, korrigieren Sie einzelne Regelungen! Das dient den Betroffenen, es dient der Justiz und dem Wirtschaftsstandort Deutschland.<br />
Danke.<br />
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Rede im Bundestag zur Haftung f&#252;r Fehler beim B&#246;rsengang der Deutschen Telekom</title>
		<link>http://www.burkhard-lischka.de/2011/06/rede-im-bundestag-zur-haftung-fuer-fehler-beim-boersengang-der-deutschen-telekom/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Jun 2011 17:42:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Burkhard Lischka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagsreden]]></category>
		<category><![CDATA[Börsengang]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Rede]]></category>

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		<description><![CDATA[Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 08.06.2011 um 15:52 Uhr (113. Sitzung, TOP ZP1) im Deutschen Bundestag ZP1: Aktuelle Stunde zur Haftung der Kreditanstalt f&#252;r Wiederaufbau und der Bundesrepublik Deutschland f&#252;r Fehler beim B&#246;rsengang der Deutschen Telekom im Jahre 2000 Die Rede zum Nachlesen aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages: Burkhard Lischka (SPD): Herr Pr&#228;sident! [...]]]></description>
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<p>Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 08.06.2011 um 15:52 Uhr (113. Sitzung, TOP ZP1) im Deutschen Bundestag<br />
ZP1: Aktuelle Stunde zur Haftung der Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau und der Bundesrepublik Deutschland f&uuml;r Fehler beim B&ouml;rsengang der Deutschen Telekom im Jahre 2000</p>
<p><strong>Die Rede zum Nachlesen<br />
aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages:</strong></p>
<p>Burkhard Lischka (SPD):<br />
Herr Pr&auml;sident! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen von Union und FDP, Ihnen m&uuml;ssen jetzt wirklich die politischen Themen ausgegangen sein, wenn Sie heute Nachmittag den Versuch unternehmen wollen, mit uns eine aktienrechtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs zu diskutieren, die sich mit so spannenden Themen wie &#8220;Prospekthaftung&#8221; und &#8220;Einlagenr&uuml;ckgew&auml;hr&#8221; besch&auml;ftigt. Das sind ja zwei Begriffe, die ohnehin schon die meisten Juristen gar nicht kennen.<br />
(Christian Freiherr von Stetten [CDU/CSU]: Ihre Juristen vielleicht nicht!)</p>
<p>Da reibt man sich wirklich verwundert die Augen: Anstatt die wirklich dr&auml;ngenden Probleme dieses Landes zu besprechen, greifen Sie Vorg&auml;nge auf, die elf Jahre zur&uuml;ckliegen, und debattieren &uuml;ber ein Gerichtsverfahren, das noch nicht einmal abgeschlossen ist. Der Bundesgerichtshof hat den Fall ja wieder an die Vorinstanz, das Oberlandesgericht K&ouml;ln, zur&uuml;ckverwiesen. Das hei&szlig;t, das Verfahren l&auml;uft noch. Kurzum: Diese Aktuelle Stunde ist &uuml;berfl&uuml;ssig wie ein Kropf. Weil Ihnen die politischen Inhalte und Ideen fehlen, reden wir heute &uuml;ber eine aktienrechtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs.<br />
(Beifall bei der SPD)</p>
<p>Weil das nat&uuml;rlich nach au&szlig;en hin &uuml;berhaupt nicht vermittelbar w&auml;re, fangen Sie gleichzeitig an, die Backen aufzublasen, Herr Kollege Brackmann, und erz&auml;hlen hier, schuld an allem sei Rot-Gr&uuml;n, weil die diesen Telekom-B&ouml;rsengang nur gemacht h&auml;tten, um Geld f&uuml;r den Bundeshaushalt freizuschaufeln.<br />
(Klaus-Peter Willsch [CDU/CSU]: War es nicht so?)</p>
<p>Das ist, wie ich finde, schon ein ganz interessantes Argument, und zwar unter zwei Gesichtspunkten:</p>
<p>Erstens. Es war die schwarz-gelbe Bundesregierung unter Helmut Kohl, die angefangen hat, die Telekom zu privatisieren und die &uuml;brigens auch die erste Tranche von &uuml;ber 713 Millionen Aktien auf dem Kapitalmarkt platziert hat. Insofern hat Rot-Gr&uuml;n allenfalls das fortgesetzt, was die schwarz-gelbe Bundesregierung unter Helmut Kohl begonnen hat.<br />
(Beifall bei der SPD &#8211; Lothar Binding [Heidelberg] [SPD]: Das hat der Kollege vergessen zu erw&auml;hnen! &#8211; Norbert Brackmann [CDU/CSU]: Offenbar sind Sie ja lernf&auml;hig! &#8211; Stefanie Vogelsang [CDU/CSU]: Erinnern Sie sich noch an die &Uuml;berschrift f&uuml;r Rot-Gr&uuml;n: &#8220;Handwerklich schlecht&#8221;?)</p>
<p>Zweitens. Es ist der FDP-Kollege Florian Toncar, der in diesen Tagen in den Medien fordert, zur Sanierung des aktuellen Haushalts und zur Finanzierung Ihrer Kehrtwende in der Energiepolitik auch noch die restlichen Telekom-Aktien zu verkaufen. Also h&ouml;ren Sie auf, so zu tun, als sei das alles nur eine rot-gr&uuml;ne Idee gewesen und Sie h&auml;tten mit dem B&ouml;rsengang der Telekom gar nichts zu tun. Das ist schlicht und einfach unwahr.</p>
<p>Dann erz&auml;hlen Sie, Herr Kollege Brackmann, jetzt k&auml;men Schadensersatzforderungen auf die Steuerzahler zu. Sie haben eben davon gesprochen, ein Schaden von 120 Millionen Euro m&uuml;sse beglichen werden, und zwar durch die KfW, durch den Bund und damit auch durch den Steuerzahler. Auch das ist nicht richtig, Herr Kollege Brackmann. Wenn Sie sich einmal mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs besch&auml;ftigen, dann werden Sie feststellen, dass er zur H&ouml;he des Schadens &uuml;berhaupt nichts gesagt hat, sondern dass er gerade aus diesem Grund die Angelegenheit an das Oberlandesgericht K&ouml;ln zur&uuml;ckverwiesen hat. Der Bundesgerichtshof hat im &Uuml;brigen auch offengelassen, ob hier &uuml;berhaupt eine Haftung des Bundes vorliegt. Ich habe durchaus Verst&auml;ndnis daf&uuml;r, dass Sie in Ihrer derzeitigen Situation nach jedem Strohhalm greifen. Aber wenn Sie schon meinen, die Menschen in dem laufenden Gerichtsverfahren verunsichern zu m&uuml;ssen, dann schauen Sie sich doch bitte wenigstens einmal die Entscheidung oder zumindest die Pressemitteilung zu der Entscheidung an. Das ist das Mindeste, was wir verlangen, wenn Sie eine solche Aktuelle Stunde auf die Tagesordnung setzen.</p>
<p>Das Ganze wird noch putziger dadurch, dass der Kollege Koppelin in einer Pressemitteilung gesagt hat, er habe das alles schon im Jahr 2000 gewusst;<br />
(Lothar Binding [Heidelberg] [SPD]: Da hat er auch alle anderen Sachen schon gewusst!)<br />
er habe darauf hingewiesen, dass der Verkaufsprospekt fehlerhaft und das Ganze juristisch wackelig sei. Herzlichen Gl&uuml;ckwunsch, Herr Kollege Koppelin; da sind Sie juristisch schlauer als die Vorinstanz des Bundesgerichtshofes, das OLG K&ouml;ln, das die Klage noch komplett abgewiesen hatte. Wenn Sie sich mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofes besch&auml;ftigen, dann werden Sie feststellen, dass er &uuml;berhaupt keine Feststellung dazu getroffen hat, ob dieser Verkaufsprospekt tats&auml;chlich fehlerhaft war. Es gibt nicht einmal ein US-amerikanisches Gericht, das die Fehlerhaftigkeit des Verkaufsprospektes festgestellt h&auml;tte; denn die Sache wurde durch einen Vergleich beendet.</p>
<p>Streuen Sie hier keine Ger&uuml;chte, und blasen Sie die Dinge nicht auf! Warten Sie erst einmal das Ende des Gerichtsverfahrens ab! Die Zeit k&ouml;nnten Sie nutzen, um politische Themen zu finden, &uuml;ber die es sich wirklich zu debattieren lohnt.<br />
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des B&Uuml;NDNISSES 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Rede im Bundestag zur St&#228;rkung der humanit&#228;ren Lage in Afghanistan</title>
		<link>http://www.burkhard-lischka.de/2011/04/rede-im-bundestag-zur-staerkung-der-humanitaeren-lage-in-afghanistan/</link>
		<comments>http://www.burkhard-lischka.de/2011/04/rede-im-bundestag-zur-staerkung-der-humanitaeren-lage-in-afghanistan/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 11:50:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Burkhard Lischka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagsreden]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Rede]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu Protokoll gegebene Reden zum TOP 13.a: Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses f&#252;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (19. Ausschuss) zu dem Antrag der Abgeordneten Burkhard Lischka, Karin Roth (Esslingen), Dr. Sascha Raabe, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD St&#228;rkung der humanit&#228;ren Lage in Afghanistan und der partnerschaftlichen Kooperation mit Nichtregierungsorganisationen Wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu Protokoll gegebene Reden zum TOP 13.a: Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (19. Ausschuss) zu dem Antrag der Abgeordneten Burkhard Lischka, Karin Roth (Esslingen), Dr. Sascha Raabe, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD</p>
<p><strong>St&auml;rkung der humanit&auml;ren Lage in Afghanistan und der partnerschaftlichen Kooperation mit Nichtregierungsorganisationen</strong></p>
<p>Wir befassen uns heute mit einem Antrag, den wir als SPD-Bundestagsfraktion bereits vor zehn Monaten in den Deutschen Bundestag eingebracht haben. Der zivile Aufbau Afghanistans, Gesundheit, Bildung, Besch&auml;ftigung, Lebensperspektiven, Menschen- und Frauenrechte, all das thematisiert dieser Antrag. Und wir wissen: All das sind Schl&uuml;sselbegriffe, wenn es um die Zukunft Afghanistans geht. Es waren Schl&uuml;sselbegriffe vor knapp einem Jahr, als wir diesen Antrag gestellt haben, und sie sind es bis heute geblieben. </p>
<p>Ja, es gibt Fortschritte in Afghanistan: bei der Infrastruktur, in der Bildung, bei der Gesundheitsversorgung. Aber wir treten eben auch in vielen Bereichen seit Jahren auf der Stelle. Und – wer wollte das leugnen? – es gibt auch R&uuml;ckschritte. </p>
<p>Herr Niebel, als Sie vor einigen Wochen hier im Deutschen Bundestag eine Regierungserkl&auml;rung zu Afghanistan abgegeben haben, da sagten Sie: „Wer heute an den Hindukusch kommt, der sieht: Die Kinder lassen wieder Drachen steigen.“ Die Lebensfreude fasse wieder Fu&szlig; in Afghanistan, meinten Sie. </p>
<p>Ich wei&szlig; nicht, Herr Niebel, was Sie gedacht haben, als vor wenigen Tagen sieben UN-Mitarbeiter in Mazari- Scharif gelyncht wurden, als ein deutscher Entwicklungshelfer Ende des vergangenen Jahres bei seiner Arbeit get&ouml;tet wurde. Ich wei&szlig; nicht, was Sie empfunden haben, als wir vor einigen Wochen erfahren mussten, dass im vergangenen Jahr fast 3 000 Zivilisten – mehr als je zuvor – in Afghanistan ums Leben gekommen sind. Mit „einer Fu&szlig; fassenden Lebensfreude“ hat all das sicherlich nichts zu tun. </p>
<p>Herr Niebel, ich werfe Ihnen nicht vor, dass Sie auch auf die Fortschritte, die wir in Afghanistan haben, verweisen. Nochmals: Ja, die gibt es. Ich verlange aber von Ihnen als verantwortlicher Minister, dass Sie schonungslos und offen auch die Probleme und die R&uuml;ckschritte benennen, mit denen wir es auch in Afghanistan zu tun haben, und dass Sie Strategien und Konzepte entwickeln und hier im Deutschen Bundestag vorlegen, wie wir diese Probleme &uuml;berwinden k&ouml;nnen. Das ist Ihre Aufgabe als zust&auml;ndiger Minister, Herr Niebel. Und da sind Sie in der Vergangenheit leider vieles, vieles schuldig geblieben. Wo ist Ihre zukunftsfeste Strategie, Herr Niebel? Ich sehe sie nicht. </p>
<p>Zehn Jahre nach Beginn des Einsatzes wissen wir: Viele Hoffnungen, die weite Teile der afghanischen Bev&ouml;lkerung mit dem Beginn des Einsatzes verkn&uuml;pft hatten, wurden entt&auml;uscht. Die anf&auml;ngliche Begeisterung ist viel zu oft inzwischen umgeschlagen in Frustration, Ablehnung, teilweise sogar offene Feindschaft. Woran liegt das? Was f&uuml;r Fehler haben wir in der Vergangenheit gemacht? Wie k&ouml;nnen wir aus diesen Fehlern f&uuml;r die Zukunft lernen? Welche Ma&szlig;nahmen und Projekte haben sich demgegen&uuml;ber als erfolgreich herausgestellt? Wie k&ouml;nnen wir diese Ans&auml;tze verst&auml;rken und ausbauen? </p>
<p>Die Beantwortung dieser Fragen ist entscheidend, wenn wir mithelfen wollen, dass die Menschen in Afghanistan wieder Perspektiven f&uuml;r sich und ihre Kinder sehen sollen, wenn sie wieder Hoffnung sch&ouml;pfen sollen, wenn sie an ihre Zukunft denken. </p>
<p>Deshalb brauchen wir eine unabh&auml;ngige und fachkundige Analyse und Evaluation unseres bisherigen Engagements. Das aber verweigern Sie bis zum heutigen Tag. Das werden Sie auch heute Abend wieder verweigern, wenn Sie unseren Antrag ablehnen, der genau dies einfordert. Angesichts der R&uuml;ckschl&auml;ge und der Probleme, die wir in Afghanistan haben, ist das unverst&auml;ndlich. Und ich sage deutlich: Es ist auch politisch verantwortungslos. </p>
<p>Politisch verantwortungslos ist es auch, Herr Niebel, wenn Sie jetzt immer noch einfordern, die in Afghanistan t&auml;tigen Hilfsorganisationen m&uuml;ssten n&auml;her an das Milit&auml;r heranr&uuml;cken und w&uuml;rden nur dann unterst&uuml;tzt, wenn sie mit dem Milit&auml;r zusammenarbeiten. Wissen Sie, Herr Niebel, ich habe &uuml;berhaupt nichts dagegen, wenn eine Organisation aus freien St&uuml;cken f&uuml;r sich die Entscheidung trifft, mit dem Milit&auml;r zu kooperieren. Ich habe aber etwas dagegen, wenn Sie auch alle anderen Organisationen in dieses Korsett zwingen wollen, selbst dann, wenn diese sagen: Das gef&auml;hrdet unsere Projekte. Das gef&auml;hrdet unsere Mitarbeitet. Das gef&auml;hrdet diejenigen Afghanen, die bei uns Hilfe suchen. – Und wenn Sie dann Hilfsorganisationen, die ihre Sorge &ouml;ffentlich machen, auch noch Desinformation vorwerfen, dann ist das ein starkes St&uuml;ck. </p>
<p>Desinformation, Herr Niebel, ist es, wenn Sie dieser Tage im Tagesspiegel behaupten, Hilfsorganisationen, die fr&uuml;hzeitig &uuml;ber milit&auml;rische Operationen informiert seien, k&ouml;nnten ihre Planungen darauf einstellen und dann schneller in Gebieten t&auml;tig werden, in denen vorher Kampfhandlungen stattgefunden haben. So aber funktioniert Entwicklungshilfe nicht, Herr Niebel, weil die Hilfsorganisationen gerade dann als Partei eines B&uuml;rgerkrieges wahrgenommen werden und nicht als neutrale, unabh&auml;ngige Helfer. Ihr Vorhaben, die Hilfsorganisationen unter ein sicherheitspolitisches Primat zu stellen, ist falsch, Herr Niebel. Deshalb geben Sie es auf! </p>
<p>Wenn ein Antrag wie dieser fast ein Jahr durch die Gremien des Deutschen Bundestags unterwegs ist, dann kann zweierlei passieren: </p>
<p>Erste M&ouml;glichkeit: Der Antrag setzt Staub an. Oder, zweite M&ouml;glichkeit: Er kann – quasi unfreiwillig – sehr deutlich machen, wie lange eine Sache schon im Argen liegt. So wie hier, wo Sie seit einem Jahr versuchen, unabh&auml;ngige Hilfsorganisationen in eine politische und milit&auml;rische Gesamtstrategie einzubinden. Nur, Herr Niebel: Das ist gef&auml;hrlich. Denn die Hilfsorganisationen werden auch dann noch auf Jahre und Jahrzehnte in Afghanistan arbeiten, wenn sich die Milit&auml;rs l&auml;ngst zur&uuml;ckgezogen haben. Aber sie sind dann darauf angewiesen, dass ihre Arbeit in puncto Glaubw&uuml;rdigkeit und Unabh&auml;ngigkeit nicht vorher diskreditiert wurde. </p>
<p>Deshalb: H&ouml;ren Sie auf mit dieser Politik! Sie beschwert und behindert den Aufbau Afghanistans &uuml;ber 2014 hinaus, also in einer Zeit, wo Sie keine Verantwortung mehr tragen.</p>
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		<title>Rede im Bundestag zur Dissertation des Verteidigungsministers</title>
		<link>http://www.burkhard-lischka.de/2011/02/rede-im-bundestag-zur-dissertation-des-verteidigungsministers/</link>
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		<pubDate>Wed, 23 Feb 2011 16:45:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Burkhard Lischka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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		<description><![CDATA[Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 23.02.2011 um 16:38 Uhr (92. Sitzung, TOP ZP1) im Deutschen Bundestag Die Rede zum Nachlesen aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages: Burkhard Lischka hat das Wort f&#252;r die SPD-Fraktion. (Beifall bei der SPD) Burkhard Lischka (SPD): Frau Pr&#228;sidentin! Meine Damen und Herren! Herr Minister zu Guttenberg, es ist schon [...]]]></description>
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<p>Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 23.02.2011 um 16:38 Uhr (92. Sitzung, TOP ZP1) im Deutschen Bundestag</p>
<p><strong>Die Rede zum Nachlesen<br />
aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages:</strong></p>
<p>Burkhard Lischka hat das Wort f&uuml;r die SPD-Fraktion.<br />
(Beifall bei der SPD)</p>
<p>Burkhard Lischka (SPD):<br />
Frau Pr&auml;sidentin! Meine Damen und Herren! Herr Minister zu Guttenberg, es ist schon einige Male gesagt worden: Vor einer Woche haben Sie zu den ersten Vorw&uuml;rfen, die &uuml;brigens wesentlich glimpflicher ausgefallen sind als das, was wir jetzt haben, noch gesagt, das sei alles abstrus. Nachdem sich jetzt die Faktenlage ge&auml;ndert hat, versuchen Sie sich heute herauszureden, indem Sie sagen, Sie h&auml;tten ja nicht absichtlich fremde Texte &uuml;bernommen. Wissen Sie, Herr zu Guttenberg, ich habe am Montag mit Juraprofessoren zusammengesessen. Wenn ein Pr&uuml;fling 20 Prozent seiner Arbeit woanders abschreibt, dann ist die Beweislage so erdr&uuml;ckend, dass ihm kein Jurist und Pr&uuml;fer mehr abnimmt, er habe nicht gewusst, was er da getan hat. Ihre Verteidigungsstrategie ist abstrus, Herr zu Guttenberg.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und der LINKEN sowie bei Abgeordneten des B&Uuml;NDNISSES 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Sie haben vor einer Woche noch so getan, als wenn es darum ginge, dass Sie da die eine oder andere Fu&szlig;note entsprechend korrigieren m&uuml;ssten, als wenn es darum ginge, dass Sie m&ouml;glicherweise den einen oder anderen etwas falsch zitiert haben. Heute, nach einer Woche – aber nicht durch Ihr Zutun –, wissen wir: Sie haben abgekupfert, und zwar in richtig gro&szlig;em Stil. Sie haben in weiten Teilen Ihrer Arbeit die Ideen, die wissenschaftlichen Gedanken und die Ausarbeitung anderer &uuml;bernommen und dann so getan, als wenn das alles auf Ihrem Mist gewachsen w&auml;re. Am Montag haben Sie in Kelkheim gesagt: Ich habe Bl&ouml;dsinn geschrieben. – Herr zu Guttenberg, wenn Sie mal Bl&ouml;dsinn geschrieben h&auml;tten, vor allen Dingen wenn Sie den Bl&ouml;dsinn selber geschrieben h&auml;tten,</p>
<p>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des B&Uuml;NDNISSES 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>dann k&ouml;nnten wir uns heute diese Debatte sparen. Aber Sie haben eben weite Teile Ihrer Arbeit – und das stellen Sie auch gar nicht mehr infrage – nicht selber geschrieben. Sie haben sich den gl&auml;nzenden Doktor in Ihrem Lebenslauf an vielen Stellen zusammengeschnorrt. Sie schm&uuml;cken sich mit fremden Federn. Das ist es, worum es in dieser Debatte tats&auml;chlich geht.</p>
<p>(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des B&Uuml;NDNISSES 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Herr Minister, wenn das jemand in Ihrem Umfeld getan h&auml;tte, den h&auml;tten Sie ihn – da bin ich mir ganz sicher – schon l&auml;ngst gefeuert, und zwar mit gro&szlig;er Geste.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Ute Vogt [SPD]: Ohne Anh&ouml;rung!)</p>
<p>Unhaltbar sei das, w&uuml;rden Sie sagen; das besch&auml;dige das Amt in nicht hinnehmbarer Art und Weise. Aber die Ma&szlig;st&auml;be, die Sie an andere anlegen, gelten nicht f&uuml;r Sie. Deshalb &uuml;ben Sie sich hier weiter als Selbstverteidigungsminister. Das ist skandal&ouml;s, Herr zu Guttenberg, mit jedem Tag, an dem Sie hier an dieser Stelle sitzen bleiben.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)</p>
<p>Summa cum laude, Herr Minister! Als Selbstverteidigungsminister sind Sie wirklich summa cum laude. Es ist schon faszinierend, wie Sie im Augenblick versuchen, diesen Doktortitel ganz schnell loszuwerden. Sie meinen, dass dann alles wieder gut w&auml;re. Aber, Herr Minister, man kann einen Doktortitel nicht ablegen wie einen Mantel, der einem nicht gef&auml;llt. Da gibt es keine Geld-zur&uuml;ck- oder, sagen wir besser: Guter-Ruf-zur&uuml;ck-Garantie. Man kann nicht ungeschehen machen, woran man sieben Jahre seines Lebens gebastelt hat, n&auml;mlich eine Promotion abzuliefern, an der viele ganz unfreiwillig mitgearbeitet haben; denn eine solche Doktorarbeit abzuliefern ist und bleibt – umgangssprachlich – ein Betrug,</p>
<p>Herr Minister.</p>
<p>(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Mit jedem Tag erfahren wir scheibchenweise – wir wissen jetzt von sechs F&auml;llen –, dass Sie auch den Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages f&uuml;r Ihre Doktorarbeit eingespannt haben, &uuml;brigens wissenschaftliche Mitarbeiter, die durch den Steuerzahler bezahlt werden. Eins zu eins haben Sie seitenlange Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes in Ihre Doktorarbeit &uuml;bernommen. Ich kann nur hoffen, dass die Bundestagsverwaltung alles schnellstm&ouml;glich offenlegt, um jedwede Spekulation zu beenden. Der Steuerzahler, Herr Minister, will wissen, wie viel er zu Ihrer Doktorarbeit eigentlich beigetragen hat.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)</p>
<p>Das Ergebnis, meine Damen und Herren, sagt nicht nur etwas dar&uuml;ber aus, wie genau es Herr zu Guttenberg mit den Regeln des wissenschaftlichen Handwerks nimmt. Es wird auch sehr viel dar&uuml;ber aussagen, wie der Abgeordnete zu Guttenberg sein Mandat im Deutschen Bundestag begreift. Aber das hier ist kein Selbstbedienungsladen f&uuml;r private Dissertationen, Herr Minister.</p>
<p>(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Nun sagt die Bundeskanzlerin, sie brauche keinen Doktor als Verteidigungsminister. In der Tat: Ob nun ein Verteidigungsminister promoviert hat oder nicht, tut nichts zu Sache. Aber ob er glaubw&uuml;rdig ist oder ob er sich seine Karrierestationen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt, „zusammengefingert“ hat, tut sehr wohl etwas zur Sache.</p>
<p>(Beifall bei der SPD und dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)</p>
<p>Glaubw&uuml;rdigkeit, Herr Minister, das war einmal Ihr Markenkern; darauf haben Sie Wert gelegt. Aber die Glaubw&uuml;rdigkeit haben Sie in diesen Tagen verloren. Das ist keine l&auml;ssliche S&uuml;nde, sondern in der Art und Weise, wie das geschehen ist, ist das ein Grund f&uuml;r den R&uuml;cktritt, ganz einfach, ohne Hintert&uuml;rchen und ohne ein „vor&uuml;bergehend“. Das w&auml;re dann tats&auml;chlich eine gro&szlig;e Geste, Herr Minister.</p>
<p>(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
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		<item>
		<title>Rede im Bundestag zur Regierungserkl&#228;rung zum Aufbau in Afghanistan</title>
		<link>http://www.burkhard-lischka.de/2011/01/rede-im-bundestag-zur-regierungserklaerung-zum-aufbau-in-afghanistan/</link>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 13:28:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Burkhard Lischka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagsreden]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Rede]]></category>

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		<description><![CDATA[Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 21.01.2011 um 10:25 Uhr (85. Sitzung, TOP 21) im Deutschen Bundestag Die Rede zum Nachlesen aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages: Burkhard Lischka (SPD): Herr Pr&#228;sident! Meine Damen und Herren! Auch wenn sich jetzt allm&#228;hlich die Regierungsbank anscheinend wieder f&#252;llt, muss ich sagen, dass ich entt&#228;uscht bin, dass die [...]]]></description>
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<p>Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 21.01.2011 um 10:25 Uhr (85. Sitzung, TOP 21) im Deutschen Bundestag</p>
<p><strong>Die Rede zum Nachlesen<br />
aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages:</strong></p>
<p>Burkhard Lischka (SPD):<br />
Herr Pr&auml;sident! Meine Damen und Herren! Auch wenn sich jetzt allm&auml;hlich die Regierungsbank anscheinend wieder f&uuml;llt, muss ich sagen, dass ich entt&auml;uscht bin, dass die Regierungsbank lange Zeit w&auml;hrend der Debatte ziemlich verwaist gewesen ist. Vor allem hat &#8211; mit Ausnahme der ersten f&uuml;nf Minuten &#8211; ein Minister gefehlt, den ich sonst jeden Tag im Fernsehen sehe. Das zeigt, wo hier anscheinend die Priorit&auml;ten liegen und wo nicht.<br />
(Otto Fricke [FDP]: Der Tod von Soldaten hat auch gewisse Priorit&auml;ten!)<br />
Ich finde das bedauerlich.<br />
(Beifall bei der SPD &#8211; Zuruf von der CDU/ CSU: Wo ist Ihre Fraktionsf&uuml;hrung? Wo ist Herr Steinmeier? Wo ist Herr Gabriel?)</p>
<p>Es gibt in Afghanistan ein Sprichwort, mit dem sich die Menschen immer dann gegenseitig Mut machen, wenn sie vor scheinbar unl&ouml;sbaren Problemen stehen. Dieses Sprichwort besagt, dass selbst zum Gipfel des h&ouml;chsten Berges ein Weg f&uuml;hrt. Um in diesem Bild zu bleiben: Nach &uuml;ber neun Jahren Einsatz in Afghanistan stehen nicht nur die Afghanen, sondern auch wir mitten in einer riesigen Gebirgslandschaft zahlreicher und nach wie vor ungel&ouml;ster Probleme. Der Berggipfel ist nicht immer erkennbar. Obwohl vieles in der Vergangenheit in bester Absicht unternommen wurde, haben sich doch manche Wege im Nachhinein als falsch erwiesen. Viele Hoffnungen haben sich zerschlagen. Niemand von uns wei&szlig; mit Sicherheit, welch ein Afghanistan wir auf Dauer zur&uuml;cklassen, wenn wir uns in den n&auml;chsten Jahren milit&auml;risch zur&uuml;ckziehen.</p>
<p>Eine Erkenntnis zieht sich inzwischen durch jeden Debattenbeitrag, wenn wir &uuml;ber die Zukunft Afghanistans sprechen. Mit milit&auml;rischen Mitteln allein werden wir einen dauerhaften Frieden und Stabilit&auml;t in Afghanistan nicht hinbekommen. Ich kann an dieser Stelle nur das wiederholen, was wir Sozialdemokraten seit vielen Jahren immer wieder fordern und im Rahmen des Strategiewechsels unterst&uuml;tzen, n&auml;mlich dass wir von einer reinen Dominanz milit&auml;rischer Ziele weg m&uuml;ssen, hin zu einer dauerhaften und nachhaltigen Hilfsstrategie, die sich vor allen Dingen dem Aufbau staatlicher Institutionen widmet, zivilgesellschaftliche Strukturen st&auml;rkt und die Lebenssituation der Menschen ganz praktisch verbessert.</p>
<p>Kurz gesagt: Jetzt ist Entwicklungspolitik gefordert. Jetzt sind Sie als zust&auml;ndiger Minister gefordert, Herr Niebel. Nur, Herr Niebel, der Verantwortung, die damit verbunden ist, wird man doch nicht dadurch gerecht, dass man zuallererst damit beginnt &#8211; das ist jedenfalls Ihre Absicht -, denjenigen Hilfsorganisationen, die nicht bereit sind, mit dem Milit&auml;r in Afghanistan zu kooperieren, die Gelder zu streichen.<br />
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des B&Uuml;NDNISSES 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Diese t&ouml;richte Vorgabe, die Sie eben wieder verteidigt haben, zeigt doch nur, dass Sie bis heute nicht die Grundidee guter Entwicklungspolitik verstanden haben. Entwicklungspolitik muss immer und zuallererst nach den Bed&uuml;rfnissen der Menschen fragen und nicht danach, was milit&auml;risch n&uuml;tzlich erscheint. Eine Entwicklungspolitik, die sich stattdessen m&ouml;glicherweise zu einem verl&auml;ngerten Arm milit&auml;rischer Interessen macht, ist &#8211; daf&uuml;r gibt es unz&auml;hlige Beispiele &#8211; zum Scheitern verurteilt. Konsequent zu Ende gedacht, nimmt eine solche Politik sogar billigend in Kauf, dass viele Hilfsorganisationen, die sich zum Teil seit Jahrzehnten in Afghanistan engagieren, ihre Arbeit einstellen bzw. einstellen m&uuml;ssen und sich aus Afghanistan zur&uuml;ckziehen. Wenn aber die Helfer Afghanistan verlassen, Herr Niebel, dann ist dieses Land verloren. Deshalb sage ich Ihnen deutlich: Korrigieren Sie diese Politik. Sie ist falsch und stellt einen fatalen Irrweg dar.</p>
<p>(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Hans-Christian Str&ouml;bele [B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN])</p>
<p>Herr Pr&auml;sident! Meine Damen und Herren! Wenn wir Sozialdemokraten gerade in diesen Tagen und Wochen immer wieder darauf dr&auml;ngen, in diesem Jahr mit dem Truppenabzug zu beginnen, dann ist das vor allen Dingen von der Erkenntnis getragen, dass f&uuml;r Sicherheit und Stabilit&auml;t in Afghanistan nur ein funktionsf&auml;higer und legitimer Staat sorgen kann und dass solche Staatlichkeit, jedenfalls nicht auf Dauer, durch ausl&auml;ndische Milit&auml;rkr&auml;fte ersetzt und erzwungen werden kann.</p>
<p>Es wird nicht gelingen, Afghanistan eine Chance f&uuml;r eine bessere Zukunft zu geben, wenn die Regierung Karzai nicht erhebliche und energische Anstrengungen unternimmt. Die Hauptaufgabe der afghanischen Regierung besteht jetzt darin, zwischen 2011 und 2014, wie verabredet, St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck die Sicherheitsverantwortung in Afghanistan zu &uuml;bernehmen.</p>
<p>Mit der Ausbildung von inzwischen 150 000 afghanischen Soldaten und 113 000 Polizisten hat die internationale Staatengemeinschaft bis dato ihren Teil der Verabredung eingehalten und den Grundstein daf&uuml;r gelegt, dass wir in diesem Jahr auch tats&auml;chlich mit dem &Uuml;bergabeprozess beginnen k&ouml;nnen. Wer aber diesen &Uuml;bergabeprozess gleich zu Beginn schon wieder infrage stellt, indem er dar&uuml;ber nachdenkt, mit dem Truppenabzug auch sp&auml;ter zu beginnen, der findet sich irgendwann m&ouml;glicherweise im Chaos wieder, der l&auml;uft Gefahr, dass er einen unkoordinierten und &uuml;berst&uuml;rzten Abzug vornehmen muss. Denn eines steht aus meiner Sicht fest: 2014 werden sich die Kampfverb&auml;nde der internationalen Staaten aus Afghanistan verabschieden.</p>
<p>Deshalb habe ich &uuml;berhaupt kein Verst&auml;ndnis f&uuml;r das Hickhack und die Kakofonie hinsichtlich des Abzugsbeginns, die wir in den vergangenen Wochen innerhalb dieser Bundesregierung zwischen Au&szlig;en- und Verteidigungsminister erlebt haben.<br />
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des B&Uuml;NDNISSES 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Diese Bundesregierung stand und steht nach wie vor in der Pflicht, deutlich zu sagen, wie sie Sicherheitsverantwortung an die Afghanen &uuml;bergeben und in welcher Form sie mit dem Abzug der deutschen Truppen am Hindukusch beginnen will.</p>
<p>Talkshows zur Selbstinszenierung vermeintlicher Kanzlerkandidaten k&ouml;nnen ein solches klares Wort &uuml;brigens nicht ersetzen.<br />
(Beifall bei der SPD)</p>
<p>Solche Inszenierungen helfen auch Afghanistan keinen Schritt weiter. Sie l&ouml;sen nicht eines der dortigen Probleme. Sie verbessern nicht die Lebensumst&auml;nde auch nur eines einzigen Afghanen. Sie bringen nicht einen deutschen Soldaten sicher nach Hause. Kurz gesagt: Solche Selbstinszenierungen sind &uuml;berfl&uuml;ssig wie ein Kropf.<br />
(Beifall bei der SPD und des Abg. J&uuml;rgen Trittin [B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN])</p>
<p>Deshalb zum Schluss noch ein Dank an Sie, Herr Niebel. Als Sie von der Frankfurter Rundschau vor einigen Wochen gefragt wurden, ob auch Sie &auml;hnliche Inszenierungen planen, haben Sie schlicht und einfach geantwortet:</p>
<p>Ich habe nicht vor, meine Frau nach Afghanistan mitzunehmen. &#8211; Ich hatte nach Ihren Eins&auml;tzen mit Milit&auml;rk&auml;ppi und verspiegelter Sonnenbrille schon Schlimmeres bef&uuml;rchtet. Zumindest f&uuml;r diese Aussage dann doch recht herzlichen Dank, Herr Niebel.<br />
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des B&Uuml;NDNISSES 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
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		<title>Rede im Bundestag zum Thema Bek&#228;mpfung der Kinderpornografie im Internet</title>
		<link>http://www.burkhard-lischka.de/2011/01/rede-im-bundestag-zum-thema-bekaempfung-der-kinderpornografie-im-internet/</link>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 09:21:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Burkhard Lischka</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagsreden]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderpornografie]]></category>
		<category><![CDATA[Rede]]></category>

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		<description><![CDATA[Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 20.01.2011 um 17:06 Uhr (84. Sitzung, TOP 6) im Deutschen Bundestag Die Rede zum Nachlesen aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages: Burkhard Lischka (SPD): Herr Pr&#228;sident! Meine Damen und Herren! Es gibt ganz sicher kaum Straftaten, die abscheulicher sind als der sexuelle Missbrauch von Kindern. Wir m&#252;ssen alles, aber [...]]]></description>
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<p>Redebeitrag von Burkhard Lischka (SPD) am 20.01.2011 um 17:06 Uhr (84. Sitzung, TOP 6) im Deutschen Bundestag</p>
<p><strong>Die Rede zum Nachlesen<br />
aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages:</strong></p>
<p>Burkhard Lischka (SPD):<br />
Herr Pr&auml;sident! Meine Damen und Herren! Es gibt ganz sicher kaum Straftaten, die abscheulicher sind als der sexuelle Missbrauch von Kindern. Wir m&uuml;ssen alles, aber auch wirklich alles tun, um solche Straftaten bzw. die T&auml;ter zu verfolgen, und wir m&uuml;ssen alles tun, damit solche Bilder, und zwar f&uuml;r immer, aus dem Netz verbannt werden.<br />
(Beifall bei der SPD und dem B&Uuml;NDNIS 90/ DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Mit Scheinl&ouml;sungen aber sollten wir uns nicht zufrieden geben. Deshalb sage ich deutlich: Internetsperren sind hier nicht der richtige Weg. Sie verbannen nicht ein einziges Bild aus dem Netz, sie verstecken es bestenfalls nur. Dar&uuml;ber hinaus sind sie wenig effektiv, ungenau und leicht zu umgehen. Sie schaffen eine Infrastruktur, die grunds&auml;tzliche Bedenken hervorruft und verfassungsrechtlich h&ouml;chst problematisch ist. Das ist eine Erkenntnis, die sich zunehmend durchgesetzt hat und uns in vielen Anh&ouml;rungen in letzter Zeit von den Experten immer und immer wieder best&auml;tigt worden ist.</p>
<p>Wir brauchen eine komplexe Strategie gegen Verbrechen an Kindern. Wir brauchen keine Stoppschilder, die Aktion suggerieren, das Leid aber nur ein bisschen besser verstecken. Da, wo vor allem kinderpornografische Bilder gehandelt werden &#8211; zum Beispiel an Tauschb&ouml;rsen -, bringen Internetsperren &uuml;berhaupt nichts. Was wir brauchen, ist deshalb ein effektiver Einsatz der Strafverfolgungsbeh&ouml;rden und ein effektives L&ouml;schen der Bilder, die Kinder zum zweiten Mal zum Opfer machen.<br />
(Beifall bei der SPD, dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN und der LINKEN)</p>
<p>Eines geht aber nicht, liebe Kolleginnen und Kollegen: Ein von diesem Parlament in einem geordneten parlamentarischen Verfahren verabschiedetes Gesetz, das Zugangserschwerungsgesetz, kann und darf doch nicht durch die Verwaltung eines Ministeriums einfach par ordre de mufti ausgesetzt werden.<br />
(Wolfgang Wieland [B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN]: Wir sind doch keine Bananenrepublik!)<br />
Das Parlament selbst, wir m&uuml;ssen doch das Gesetz aufheben. Alles andere ist ein glatter Verfassungsbruch.<br />
(Beifall bei der SPD und dem B&Uuml;NDNIS 90/ DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Es gibt Jahrestage, die wirklich kein Grund zum Feiern sind, sie sind vielmehr ein Grund, versch&auml;mt zum Boden zu schauen. Einen solchen Jahrestag bescheren uns jetzt Bundesregierung und Regierungsfraktionen, n&auml;mlich am 17. Februar. Dann ist es ganz genau ein Jahr her, dass der Bundesinnenminister das Bundeskriminalamt angewiesen hat, ein von diesem Parlament verabschiedetes Gesetz nicht anzuwenden. Das ist ein Unding, ein Verfassungsbruch. Es dreht jedem Parlamentarier &#8211; einschlie&szlig;lich des Bundestagspr&auml;sidenten, der sich hierzu deutlich ge&auml;u&szlig;ert hat &#8211; den Magen um.<br />
(Beifall bei der SPD)</p>
<p>Da wird ein Gesetz nicht angewendet, nur weil Schwarz und Gelb wie so oft nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Das wird dann eben mal auf Kosten der Verfassung ausgesessen. Das ist unw&uuml;rdig. Meine Damen und Herren von den Regierungsfraktionen, beenden Sie diesen Zustand, und zwar schnellstm&ouml;glich. Machen Sie N&auml;gel mit K&ouml;pfen. Heben Sie das Zugangserschwerungsgesetz auf und lassen Sie uns dann gemeinsam Kinderpornografie im Internet bek&auml;mpfen.</p>
<p>Es ist doch wei&szlig; Gott alles andere als stringent, auf der einen Seite am Zugangserschwerungsgesetz festzuhalten, auf der anderen Seite das Gesetz im Erlasswege auszusetzen, um sich dann auf europ&auml;ischer Ebene &#8211; vollkommen zu Recht &#8211; wiederum gegen Internetsperren einzusetzen. Es w&uuml;rde doch die deutsche Verhandlungsposition in Europa, n&auml;mlich &#8220;L&ouml;schen statt sperren&#8221;, ganz ma&szlig;geblich unterst&uuml;tzen, wenn Sie dieses Hickhack endlich beenden w&uuml;rden. Handeln Sie endlich und versuchen Sie nicht, das Thema weiter auszusitzen, meine Damen und Herren!<br />
(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem B&Uuml;NDNIS 90/DIE GR&Uuml;NEN)</p>
<p>Schaffen Sie Wege, dass das L&ouml;schen von Kinderpornografie schneller und effektiver durchgesetzt werden kann: durch engmaschigere Kontrollen, durch internationale Vereinbarungen, durch eine gute Zusammenarbeit zwischen den Beschwerdestellen der Polizei und den Strafverfolgungsbeh&ouml;rden. Mir will jedenfalls nicht in den Kopf, warum Banken anscheinend erreichen k&ouml;nnen, dass Betrugsseiten innerhalb k&uuml;rzester Zeit vom Netz genommen werden, uns aber das Gleiche bei solchem Schmutz, bei Bildern gepeinigter Kinder, angeblich nicht gelingen kann.<br />
(Ansgar Heveling [CDU/CSU]: Da m&uuml;ssen Sie die Unternehmen fragen!)<br />
Dabei wissen doch alle: Die Server, auf denen solche Bilder sind, befinden sich nicht in erster Linie in irgendwelchen Bananenrepubliken, sondern in den USA und in Westeuropa. Da muss ein schnelles L&ouml;schen m&ouml;glich sein.<br />
(Beifall bei der SPD)</p>
<p>Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass die Zahlen, mit denen Bundeskriminalamt, Verb&auml;nde, einschl&auml;gige Beschwerdestellen operieren, nach wie vor so extrem unterschiedlich sind und dass noch immer eine Vereinbarung fehlt, wer wem kinderpornografische Seiten meldet und wie schnell und stringent auf eine L&ouml;schung gedr&auml;ngt wird. Wir brauchen endlich einheitliche Richtlinien. Wir brauchen eine Harmonisierung. Die Bem&uuml;hungen, dies alles zu erreichen, dauern schon viel zu lange, und sie haben noch nicht zu irgendeinem Ergebnis gef&uuml;hrt.</p>
<p>Deshalb, meine Damen und Herren von den Regierungsfraktionen, Herr Ahrendt, Frau Bundesjustizministerin: Beim Kampf gegen Kinderpornografie haben Sie uns wirklich an Ihrer Seite, bei dem Possenspiel, das Sie im Augenblick auff&uuml;hren, ganz sicher nicht.</p>
<p>Recht herzlichen Dank.<br />
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)</p>
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