Öffentlich getalkt: BND-Präsident Schindler über seinen Geheimdienst

Mit dem Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes Gerhard Schindler hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka am 19. Januar 2016 einen ganz besonderen Gast nach Magdeburg zu einer neuen Ausgabe seiner Talkreihe „Lischka trifft“ eingeladen.Mit dem Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes Gerhard Schindler hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka am 19. Januar 2016 einen ganz besonderen Gast nach Magdeburg zu einer neuen Ausgabe seiner Talkreihe „Lischka trifft“ eingeladen. Denn normalerweise arbeiten die Geheimdienste ja im Verborgenen, öffentliche Auftritte – dazu noch eines Präsidenten – sind sehr selten. Entsprechend groß war der Andrang im Gartenhaus im Stadtpark.

Im Rückblick auf seinen Amtsantritt vor vier Jahren erklärte Schindler: „Ich hatte den Eindruck von außen, dass der Einsatz der nachrichtendienstlichen Mittel im Ausland verstärkt werden muss.“ Deshalb sei er damals angetreten, das Beschaffen von Informationen – unter anderem durch das Abhören von Kommunikation und durch menschliche Quellen – wesentlich zu erweitern, und dies hätte er auch gemacht. Das Auswerten vorhandener Informationen sei viel einfacher als das Beschaffen geheimer Informationen, die gar nicht für uns bestimmt seien, so der BND-Präsident. Von zehn Versuchen gingen rund acht fehl. „Der BND hat rund 6.500 Mitarbeiter. Was machen die eigentlich den ganzen Tag?“, so der Moderator Lischka an seinen Talkgast. „Als Kerngeschäft verschaffen wir Informationen, und wir werten sie aus. Dabei ist die Hälfte der Mitarbeiter in der Beschaffung tätig“, so der BND-Chef. Sehr schwierig sei das Anwerben menschlicher Quellen. „Machen Sie das mal aus Deutschland heraus in einem fremden Land, mit einer fremden Sprache und Kultur. Dahinter steckt ein immenser Aufwand“, so Gerhard Schindler.

Mit dem Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes Gerhard Schindler hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka am 19. Januar 2016 einen ganz besonderen Gast nach Magdeburg zu einer neuen Ausgabe seiner Talkreihe „Lischka trifft“ eingeladen. „Aus Zeitungskarikaturen kennt man die BND-Mitarbeiter immer als Schlapphüte mit Trenchcoat und Sonnenbrille“, stellte der Moderator fest. „Ärgert sie das?“, so seine Frage an Gerhard Schindler. „Zugebenermaßen ja“, offenbarte der BND-Chef. Denn dieses öffentliche Bild des Nachrichtendienstes hätte nichts mit der Realität zu tun. Vielmehr liefere der BND als moderner Dienstleister wichtige Informationen über Konfliktregionen. Seine Leute arbeiteten teilweise in Lebensgefahr, die beschossen würden. Es gab auch bereits Verletzte, die in Sicherheit gebracht werden mussten.
Befragt nach Gerhard Schindlers eigener Forderung nach einer Transparenzoffensive, nach einem „BND zum Anfassen“, antwortete dieser: „Das ist ein Spagat! Einerseits ist das ‚Anbaggern‘ menschlicher Quellen eine geheime Methode, auch um die Informanten zu schützen. Andererseits gibt es Bereiche, die man offenlegen kann.“ Er kam auf seine Transparenzoffensive vom Jahr 2014 zu sprechen, in deren Zuge er die Tarnnamen von BND-Außenstellen aufhob und eine Regelung beschloss, wonach weniger neue Mitarbeiter mit Decknamen ausgestattet werden.

„Wie groß war die Erschütterung durch den US-Whistleblower Edward Snowden?“, wollte Burkhard Lischka wissen. Die Veröffentlichungen von Snowden hätten die US-Amerikaner hart getroffen, denn er sei ja einer von ihnen gewesen. Insgesamt hätte die Affäre die nachrichtendienstliche Welt stark erschüttert. Indes brach der BND-Präsident eine Lanze für eine stärkere Zusammenarbeit der europäischen Nachrichtendienste. Noch sei dies „der letzte Hort nationalstaatlicher Kompetenz“. Kooperationen innerhalb der EU hätten Vorteile. So könne etwa der belgische Nachrichtendienst leichter Informationen über den Kongo beschaffen als der BND. Mit Blick auf den US-Geheimdienst bescheinigte Gerhard Schindler, der BND sei der Juniorpartner der NSA und auf deren Informationen angewiesen, wie es beispielsweise bei der Enttarnung der Sauerlandgruppe der Fall war. „Als Stand-Alone-Nachrichtendienst könnten wir nicht überleben“, so der BND-Präsident.

Moderator Burkhard Lischka verwies darauf, dass der BND meist dann im Rampenlicht stehe, wenn etwas schieflaufe. Über Erfolge hingegen dürfte der BND nicht öffentlich reden. „Wo gibt es denn – abstrakt und ohne Geheimnisverrat geschildert – Erfolge?“, wollte er wissen. „Wir haben beispielsweise 38 Anschläge auf unsere Soldaten in den Lagern in Afghanistan verhindert“, so Gerhard Schindler. Außerdem sei der BND bei der Befreiung deutscher Geiseln erfolgreich beteiligt. Seine Mitarbeiter hätten sich daran gewöhnt, stille Erfolge zu feiern.

Mit dem Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes Gerhard Schindler hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka am 19. Januar 2016 einen ganz besonderen Gast nach Magdeburg zu einer neuen Ausgabe seiner Talkreihe „Lischka trifft“ eingeladen. „Es ist Ihr Job, sich mit den Krisenherden dieser Welt auszukennen. Was macht Ihnen die größten Sorgen?“, so Burkhard Lischkas Frage an seinen Talkgast. Nach dessen Einschätzung stelle der internationale Terrorismus die größte Gefahr für uns dar. Militärschläge gegen den Islamischen Staat würden nicht zum gewünschten Erfolg führen, denn so könne man ihn nicht eliminieren. Je stärker sich die Terrormiliz bedroht fühle, umso mehr werde sie sich wehren und Anschläge verüben. Gerhard Schindler betonte: „Die Sicherheitsprobleme dieser Welt lassen sich nicht mit Sicherheit lösen oder mit Polizei oder mit Militär. Die Menschen werden ja erst dann zu Terroristen, wenn sie keine andere Alternative mehr haben“, wenn die wirtschaftliche und politische Entwicklung fehle. Deshalb sei es wichtig, diesen Menschen eine Perspektive zu geben. Nach vielen weiteren Fragen, auch aus dem Publikum, bedankte sich der Moderator bei seinem Talkgast mit einem Präsentkorb mit Deliktassen aus Sachsen-Anhalt, und das Publikum bedankte sich mit einem Riesen-Applaus.

Dank der Initiative „Cams 21 – Verbund für freie Medien e.V.“ können Sie sich hier die gesamte Talkrunde als Video anschauen.
http://cams21.de/19-01-2016-magdeburg-lischka-trifft-bnd-gerhard-schindler/

Veröffentlicht am:
20. Januar 2016

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Aktuelles

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