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Lischka traf Prof. Dr. Wolfgang Böhmer auf dem Roten Sofa
Am 01.06.2011 empfing der Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka den ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, auf dem Roten Sofa im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Lischka trifft…“. Vor 80 Zuschauern im prall gefüllten Elbelandhaus, erzählte Böhmer von vielen Zufällen, die sein berufliches und politisches Leben prägten. Dass der passionierte Handwerker und Gärtner ein echter Landesvater war, merkt man an den Reaktionen der gespannten Gäste, unter denen man auch den Rektor der Hochschule Magdeburg-Stendal, Prof. Dr. Andreas Geiger, und den Magdeburger Unternehmer Arno Frommhagen finden konnte, deutlich an.
„Wenn die SPD gefragt hätte, wäre ich wohl auch Sozialdemokrat gewurden“
Die Maueröffnung erlebte er am 09. November 1989 während eines Ärztekongress in einem Hannoveraner Hotel. „Als ich dann zurück kam, wunderte ich mich, dass kein Polizist da war. Keiner gab mir einen Einreisestempel. Auf den warte ich bis heute“, erinnerte er sich. Danach fragte man ihn, ob er für den Landtag kandidieren wolle. Dass er dabei für die CDU als Kandidat in Wittenberg antrat, war damals nicht zwangsläufig, „wenn die SPD gefragt hätte, wäre ich wohl auch Sozialdemokrat geworden.“ Auch seine Ernennung zum Finanzminister im Zuge der Neustrukturierung der Landesregierung nach dem Rücktritt von Gerd Gies 1991 kann man durchaus als Zusammenspiel von zufälligen Begebenheiten beschreiben. Ursprünglich als Sozialminister vorgesehen, bat ihn der künftige Ministerpräsident Werner Münch sich des Finanzressorts anzunehmen. „Da geht es ja nicht um Politik, sondern um Geld. Das kann ich schon“, begründete Böhmer dem schmunzelnden Publikum im Elbelandhaus seine Zusage.
Positive Zukunft für Sachsen-Anhalt
Dass der wirtschaftliche Start der neuen Bundesländer nicht so einfach war wie der wirtschaftliche Aufschwung der Bundesrepublik der 1950er und 1960er Jahre, begründete Böhmer mit den unterschiedlichen Ausgangslagen. In der Bundesrepublik gab es nach dem Krieg nichts. Alles was damals produziert wurde, wurde auch gekauft. Nach 1990 war der Ostdeutsche als Konsument sehr willkommen, aber die neue Wirtschaftswelt hier musste sich „gegen einen gesättigten Markt“ behaupten. Trotz dessen habe Sachsen-Anhalt eine Menge erreicht. Mit Augenmaß und Finanzdisziplin habe es das Land geschafft die rote Laterne im Bundesländervergleich hinter sich zulassen und sich im Mittelfeld zu etablieren. Wenn sich die kommenden Landesregierungen weiterhin an diesen Grundsätzen orientieren, sieht Böhmer die Chance, dass sich Sachsen-Anhalt weiterhin wirtschaftlich so positiv entwickelt. „Wie wird es mit der neuen Landesregierung weiter gehen“, wollte Burkhard Lischka wissen. Es wird auf jeden Fall nicht einfacher, fehlt ihr doch „der alte Mann, der sagt wo es lang geht“, scherzte der ein sichtlich gut gelaunter Wolfgang Böhmer.
Von Briefmarken sammeln und Bücherschreiben
In einer anschließenden Fragerunde wollten die Anwesenden unter anderem wissen, ob es stimmt, dass Böhmer Briefmarken sammele. Auch bei dieser Antwort bewies der Mann, der über 21 Jahre Sachsen-Anhalt politisch prägte, dass er über sich selbst lachen kann. Ja, es stimme, und er wisse auch dass manche Leute sein Hobby als „Alterssex“ bezeichnen würden. Ob er nach Horst Köhlers Rücktritt als Bundespräsident sich dieses Amt zugetraut hätte, antwortete er zwinkernd, dass die Zuhörer sich sicher sein könnten, dass Frau Merkel auf ihn „nie gekommen wäre.“
Auch ein Buch über sein Leben und seine Erlebnisse möchte Böhmer nicht schreiben, selbst wenn ihm die Anfragen geschmeichelt hätten. Aber zu einem Buch gehört nicht nur einer der es schreibt, sondern auch jemand der es liest. Und das sehe er nicht so.
Auf eine der abschließenden Fragen von Burkhard Lischka, was die Leute in Zukunft über Böhmers politisches Leben sagen sollen, antwortete der ehemalige Ministerpräsident auf seine urtypische bescheidene Art und Weise, die ihn stets so sympathisch und nahbar für viele Sachsen-Anhaltiner gemacht hat: „Der Kerl hat sich Mühe gegeben.“
Tags: Lischka trifft, Rotes Sofa

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